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Hamburg als Zentrum der Offensive

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Die Industrieregion Unterelbe kann bis 2025 eine leistungsfähige Windwasserstoff-Wirtschaft aufbauen / Brennstoff ist jedoch teuer

Hamburg | Die Waterkant als Wasserstoff-Pionierland? Bis 2025 wollen Politik und Wirtschaft an der Unterelbe in großem Maßstab die Infrastruktur für Produktion und Verteilung des umweltfreundlichen Energieträgers schaffen. Profitieren würde außer der Industrie vor allem die Umwelt, so wünschen es sich die beteiligten Länder Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Denn: Für die Erzeugung des Wasserstoffs per Elektrolyse soll auch überschüssiger Windstrom aus Offshore-Anlagen fließen.

Das Projekt ist längst über das Stadium der Gedankenspielerei hinausgewachsen. Im Hamburger Rathaus präsentierten die drei Bundesländer mit Vertretern von mehr als 20 Unternehmen gestern eine gemeinsam in Auftrag gegebene große Machbarkeitsstudie. Bis ins Detail beschreibt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young darin, wie der Durchbruch der Technologie gelingen kann. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) selbstbewusst: "Wer, wenn nicht wir, sollte es schaffen, einen wirtschaftlichen Wind-Wasserstoff-Energiekreislauf aufzubauen?"

Die Region Unterelbe sei ideal für die Erzeugung und Speicherung von Wasserstoff aus Windenergie, schreiben die Autoren. Das Gebiet könne länderübergreifend zur "Vorzeigeregion" werden. Vorteile des Nordens sind außer der Nähe zu den Windparks auf See die vorhandenen Salzkavernen zur Speicherung sowie die Tradition als Chemiestandort, etwa in Brunsbüttel (Bayer) und Stade (Dow).

Folgerichtig sollen beide Städte zu Zentren der Offensive werden. Ebenso Hamburg, dem als Absatzmarkt für den alternativen Treibstoff besondere Bedeutung zukommt. Die Experten gehen davon aus, dass 2025 in der Metropolregion 44 000 Brennstoffzellen-Pkw unterwegs sind, die von Wasserstoff angetrieben werden; hinzu kämen 540 Busse. Beginnend in Hamburg sollen ab 2015 an den drei Standorten große Elektrolyse-Anlagen entstehen. Geplant sind ferner der Bau von Rohrleitungen zum Transport sowie die Herrichtung eines Kavernenspeichers unter der Erde im Raum Stade. Die Gesamtkosten für eine solche Infrastruktur beziffert die Studie auf 531 Millionen Euro, die sich die öffentliche Hand und die Industrie teilen wollen.

Allerdings: Einen großen Haken hat der Traum vom Windwasserstoff-Paradies. Die Herstellung des Brennstoffs werde noch auf lange Zeit deutlich teurer sein als bei anderen Energiearten, prophezeien Ernst & Young. Im Klartext: Die Technologie ist auf beträchtliche Subventionen angewiesen, etwa durch den Verzicht des Staates auf Abgaben. Unmissverständlich hieß es dazu: "Ohne eine Befreiung beispielsweise von der EEG-Umlage dürften sich Projekte zur Erzeugung von Windwasserstoff praktisch nicht realisieren lassen."

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erstellt am 13.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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