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Kostüme und Kunstblut : Halloween: Das Geschäft mit Grusel und Kitsch

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Heute feiert auch Deutschland Halloween. Das bringt der Branche Millionen ein. Es ist nicht das einzige Fest, das aus anderen Ländern zu uns kommt.

Die Schnittwunde oder doch lieber die Brandblasen? Die Zombie-Maske oder den Kittel der untoten Krankenschwester? Wer sich in diesen Tagen ein passendes Halloween-Kostüm gekauft hat, hatte die Qual der Wahl. Die Kostümabteilungen in Supermärkten und Spielwarenläden platzten vor lauter Vampirzähnen, Kürbissen, Narben und Dosen-Kunstblut aus allen Nähten. Aus dem keltischen Neujahrsfest, das im 19. Jahrhundert von irischen Einwanderern in die USA und später zurück nach Europa gebracht wurde, ist mittlerweile eine ganze Grusel-Industrie geworden. Dabei ist die Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November eigentlich ein christlicher Feiertag: Allerheiligen. Doch mit stillen Gedenken an die Verstorbenen haben Süßes oder Saures-Umzüge nichts mehr zu tun.

Deutschland ist im Halloween-Fieber. Mehr als 30 Millionen Euro Umsatz machten 2011 allein die Unternehmen der Fachgruppe Karneval im Einzelhandelsverband HDE mit dem Gruselfest. Zehn Jahre zuvor waren es noch 12 Millionen Euro. 1994 brachte die Karneval-Fachgruppe Halloween auf den deutschen Markt – mit dem Ziel, neben den närrischen Tagen im Frühjahr eine zweite Saison für Kostüm- und Spielwarenläden zu schaffen. Die Rechnung ist aufgegangen – und das Geschäft mit dem Grusel haben mit der Zeit auch andere für sich entdeckt. Große Süßwarenhersteller haben ihr Sortiment um schauriges Naschwerk erweitert. Bei Haribo in Bonn werden schon im Sommer winzige Masken, Hexen und Kürbisse für Halloween produziert. Nach Ostern und Weihnachten ist im Oktober dort die drittstärkste Süßigkeiten-Saison.

Der Horror-Tag ist nicht das einzige Fest, das aus anderen Ländern nach Deutschland übertragen und dann zweckentfremdet wurde. „Es ist typisch für Feiertage aus anderen Kulturen, dass sie erst säkularisiert und dann kommerzialisiert werden“, sagt Cornelia Kelber, Trendforscherin im Zukunftsinstitut Frankfurt.

Bestes Beispiel ist das indische Holi-Fest. Die Inder feiern damit traditionell das Ende des Winters und den Beginn des Frühlings. Die Menschen tanzen auf der Straße und bewerfen sich bis zu zehn Tage lang gegenseitig mit Farbe, um die Gleichheit zu symbolisieren und soziale Unterschiede aufzuheben. In Deutschland wurde vor zwei Jahren das erste Mal in Berlin ein Holi-Festival gefeiert – eine Art indischer Rave mit Farbpulver. Seitdem werfen jedes Jahr Tausende Menschen in immer mehr Großstädten mit bunter Farbe um sich und tanzen ausgelassen zu Goa-Musik.

In Hamburg und anderen deutschen Städten wird seit einigen Jahren das Kirschblütenfest gefeiert. Mit Musik, Essen, Kampfkunst-Vorstellungen und einem großen Feuerwerk an der Alster steht die Hansestadt im Frühling für ein Wochenende ganz im Zeichen von Fernost. Angelehnt ist das Fest an den japanischen Brauch Hanami (wörtlich: Blüten betrachten), mit dem in Japan die Japanische Kirschblüte gefeiert wird. Unter den blühenden Bäumen finden sich Familien und Freunde zusammen, um zu picknicken, zu trinken und gemeinsam Zeit zu verbringen.

Dass sich fremde Bräuche wie Halloween und Co bei uns immer mehr durchsetzen, ist laut Trendforscherin Kelber kein Zufall. „Halloween steht in engem Zusammenhang mit einem Megatrend, der Globalisierung“. Die technische Entwicklung führe dazu, dass die Grenzen zwischen den Kulturen immer mehr verwischen. „Durch Internet und digitale Revolution wird auch die kulturelle Globalisierung verstärkt.“

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erstellt am 31.Okt.2014 | 10:21 Uhr

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