Alternative Antriebe : Günstiges Benzin bremst Elektroautos aus

Der Branchenverband fordert Unterstützung. Die Bundesregierung prüft Sonderrechte für Carsharing.

shz.de von
12. Januar 2015, 10:44 Uhr

Frankfurt | Die niedrigen Preise an den Tankstellen erschweren es den Autoherstellern nach Einschätzung des Branchenverbandes VDA, mehr Kundschaft für ihre Elektroautos zu gewinnen. „Kurzfristig wird es schwieriger, alternative Abtriebe in den Markt zu bringen“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Er rechnet allerdings damit, dass Mineralöl mittel- und langfristig „knapper und teurer“ werde. Deswegen fordert er umfangreiche Investitionen, um den elektrischen Autos zum Durchbruch zu verhelfen. „Wir müssen jetzt den Weg bereiten, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen“, sagte Wissmann. „Bund, Länder und Gemeinden sollten sich zu einer breiten Beschaffungsinitiative durchringen und in Ladesäulen und Elektroautos investieren. Auch die private Energiewirtschaft ist hier gefordert.“

In den nächsten zwei Jahren sollte es eine Verdoppelung der öffentlichen Ladeinfrastruktur auf dann 8000 Stationen geben. Dem Branchenblatt „Automobilwoche“ sagte Wissmann, die Politik müsse im Interesse ihrer Klimaziele alternative Antriebe nachhaltig unterstützen. „Die Möglichkeiten hierfür sind vielfältig. Das reicht von einer Sonderabschreibung für gewerbliche Nutzer – Firmenwagen und Flotten sind schließlich Türöffner für die Elektromobilität – bis zu Beschaffungsinitiativen der öffentlichen Hand.“

Die Zahl der Elektroautos in Deutschland ist nach wie vor gering. Im Jahr 2014 waren 8522 Elektro-Autos neu zugelassen worden, wie das Kraftfahrtbundesamt (KBA) erst vergangene Woche in Flensburg mitgeteilt hatte. Hinzu kommen 27  435 Hybrid-Autos, die sowohl mit Elektro-Motor als auch mit herkömmlichem Verbrennungsmotor angetrieben werden. Zum Vergleich: Insgesamt waren im vergangenen Jahr 3,04 Millionen Pkw neu zugelassen worden.

Derweil will die Bundesregierung derzeit wohl vor allem Carsharing-Angebote fördern. Wer sich sein Auto teilt, soll künftig dieselben Vorteile im Straßenverkehr genießen wie die Besitzer von Elektroautos. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) plant Berichten zufolge ein Gesetz mit Sonderrechten für Carsharing-Autos. Beim Verkehrsministerium hieß es dazu: „Ein Gesetz zur Bevorrechtigung der Verwendung von Carsharing-Fahrzeugen wird derzeit erarbeitet. Inhalte und konkreter Zeitplan stehen noch nicht abschließend fest“, teilte eine Sprecherin mit.

Die FAZ zitierte eine interne Vorhabenliste der Bundesregierung: „Carsharing leistet einen wichtigen Beitrag für die Vernetzung der Verkehrsträger und für einen nachhaltigen Stadt- und Regionalverkehr.... Mit den geplanten Regelungen zum Carsharing sollen diese Fahrzeuge im Straßenverkehr privilegiert werden.“ Mit dem Gesetz solle die Grundlage geschaffen werden, um Parkplätze für Carsharing-Autos rechtssicher ausweisen zu können. In der Praxis könnten die Kommunen dann Stellplätze festlegen mit einem Verkehrszeichen ähnlich dem für Taxi-Haltestände. „Zudem soll es den Gemeinden ermöglicht werden, auf Parkgebühren bei diesen Fahrzeugen zu verzichten“, heißt es in dem Vorhaben-Papier weiter. Die Regelungen sollten im ganzen Bundesgebiet gelten.

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