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Grünes Licht für die Frauenquote

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kabinett in Berlin einigt sich auf 30-Prozent-Regel / Schleswig-Holsteins IHK-Präsidentin kritisiert Gesetzesvorhaben

shz.de von
erstellt am 26.Nov.2014 | 13:06 Uhr

Die Frauenquote ist beschlossen. Mindestens 30 Prozent der Plätze eines Aufsichtsrates sollen bei börsennotierten Unternehmen künftig von Frauen besetzt werden. In Schleswig-Holsteins Gesundheitswirtschaft wird diese Zielvorgabe schon heute erreicht. Doch damit steht die Branche im Norden ziemlich alleine da, wie aus einer Erhebung der Wirtschaftsauskunftei Bürgel hervorgeht, die unserer Zeitung vorliegt.

Mehr als 31 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder bei Kapitalgesellschaften in Schleswig-Holsteins Gesundheitsbranche sind demnach weiblich. Das sind sechs Prozent mehr als bundesweit. Bei Unternehmen aus dem Bereich Erziehung sind immerhin noch 24,1 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder zwischen Nord- und Ostsee Frauen, 17,5 Prozent sind es im Baugewerbe, 15,5 Prozent in der Energiewirtschaft. Auf den hinteren Plätzen folgen die Logistik (12,3 Prozent), die Finanzbranche (11,8 Prozent) und das verarbeitende Gewerbe (11,2 Prozent). In der Summe ist nicht einmal jeder fünfte Aufsichtsratsposten (17,1 Prozent) im Norden mit einer Frau besetzt.

Für die meisten dieser Unternehmen wird das kommende Gesetz von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) wohl zunächst ohne Folgen bleiben. Viele von ihnen sind zu klein, die 30-Prozent-Quote für sie nicht verpflichtend. Doch das Ziel der Ministerin, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen ist klar. Die Frauenquote für Führungspositionen werde „einen Kulturwandel einleiten in der Arbeitswelt“, sagte sie gestern.

Bei Schleswig-Holsteins Unternehmen sieht man das Instrument jedoch kritisch. „Ich lehne eine gesetzlich festgeschriebene Frauenquote ab. Es hat die Qualifikation vor dem Geschlecht zu gelten“, sagte die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer zu Schleswig-Holstein, Friederike C. Kühn, gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Zudem sei für Schleswig-Holstein festzustellen, dass es hier keine Dax-Konzerne gebe. Im Norden präge der Mittelstand die Wirtschaftsstruktur. „Diese Unternehmen stehen selbstverständlich den Frauen auch in Leitungsfunktionen offen, denn die soziale Kompetenz von Frauen ist völlig unbestritten“, bekräftigt Kühn, die selber ein Unternehmen leitet und unter anderem Mitbegründerin des Berufsverbands „Hanse Unternehmerinnen“ ist.

Nach Angaben des Vereins „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar) waren Ende September von 1669 Aufsichtsratsmitgliedern börsennotierter deutscher Unternehmen der Dax-Familie 316 weiblich. Das entspricht einer Quote von knapp 19 Prozent. Bürgel hat für alle deutschen Kapitalgesellschaften mit ihren mehr als 58 000 Aufsichtsratsmitgliedern sogar nur eine Quote von 17 Prozent errechnet. Nicht einmal jeder zehnte der fast 16 000 Aufsichtsratsvorsitzenden (9,7 Prozent) ist demnach weiblich. In Schleswig-Holstein sieht es mit 10,3 Prozent kaum besser aus. Das Bundesland mit den meisten Frauen in Aufsichtsräten ist übrigens Brandenburg. Fast jeder vierte Sitz (23 Prozent) wird hier von einer Frau besetzt – jeder fünfte Aufsichtsratschef (19,2 Prozent) ist weiblich.

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