Grüne Woche: Streit um Freihandel und Lebensmittelproduktion

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18. Januar 2015, 18:12 Uhr

Kritik an Massentierhaltung, Streit um Freihandel, neue Chancen für pflanzliche Rohstoffe: Zur Grünen Woche in Berlin hat die Diskussion über die Ernährung der Weltbevölkerung und mehr Naturschutz in der Landwirtschaft neue Impulse bekommen. Am Rande der Messe bekannten sich Fachminister aus 70 Ländern zum Vorrang der Lebensmittelproduktion bei einer stärkeren Nutzung nachwachsender Rohstoffe für andere Zwecke. Zehntausende Menschen hatten am Sonnabend bei einer Demonstration gegen Riesenställe, Gentechnik und das geplante Freihandelsabkommen mit den USA protestiert. Unter sie gemischt hatte sich auch Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), der dafür im Vorfeld heftig vom schleswig-holsteinischen Bauernpräsidenten Werner Schwarz kritisiert worden war. Doch die Kritik wies er zurück: Die Demo zeige doch genau die Probleme auf, die die Landwirtschaft habe. „Nach dem Prinzip wachse oder weiche müssen immer mehr Bauern ihre Höfe aufgeben, billiges Fleisch überschwemmt die Märkte, Agrarspekulationen treiben die Bodenpreise in die Höhe – und die gekniffenen sind die Landwirte.“ Als Agrarminister müsse er aber „zu dieser betriebswirtschaftlichen Sicht auch die gesellschaftspolitischen Ansprüche einbringen“. Und dazu wolle er neue Kriseninstrumente und Strategien einbringen. Die Landwirtschaft im Norden demonstriere auf der Grünen Woche erneut ihre Leistungsstärke, sagte der Minister. Aber die starke Exportorientierung und ihre hohe Leistung machten die im Norden besonders produktive Branche auch anfällig, wenn die Märkte nachgeben. Dies erfordere auch ein Nachdenken über neue Strategien wie z.B. eine engere Zusammenarbeit zwischen Land- und Ernährungswirtschaft im Norden. Seine Idee: „Die Landwirte könnten zielgerichteter für einheimische Hersteller produzieren, wenn sie frühzeitig und systematisch über Pläne der Unternehmen für neue Produkte informiert würden.“ Zwar sei ihm klar, „dass am Ende der Preis entscheidet“. Dennoch fühlt er sich nach Kontakten mit den Geschäftsführern von zwei Dutzend Nahrungsmittelherstellern ermutigt. „Da gibt es noch ein unausgeschöpftes Potenzial.“

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