Agrarmesse : Grüne Woche: Minister nimmt Bauern in Schutz

Mit sicherem Griff „pflückte“ sich Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt in einer der Hallen eine Tomate vom bunten Tablett.
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Mit sicherem Griff „pflückte“ sich Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt in einer der Hallen eine Tomate vom bunten Tablett.

 „Das stopft keine Mäuler“ – Christian Schmidt (CSU) lässt pauschale Kritik an moderner Landwirtschaft nicht gelten.

shz.de von
15. Januar 2015, 15:09 Uhr

Berlin | Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat die Bauern zum Auftakt der Grünen Woche gegen Kritik in Schutz genommen. Er warnte vor pauschalen Schuldzuweisungen und distanzierte sich von einem Teil der Kritiker moderner Landwirtschaft. Er könne nichts mit einem anfangen, der sage, er wolle keine Tierhaltung und habe es satt. „Das stopft keine Mäuler“, sagte Schmidt bei der Eröffnungsfeier der weltgrößten Agrarmesse gestern Abend in Berlin. „Die Welt ist noch nicht satt.“ Im Jahr 2050 seien neun Milliarden Menschen zu ernähren.

Kritiker indes planen für Sonnabend eine Demonstration mit Tausenden Teilnehmern unter dem Motto „Wir haben es satt“.

Bauernpräsident Joachim Rukwied beklagte vor 3500 Ehrengästen ein „Klima der Ausgrenzung“ in der Debatte über die Landwirtschaft. Der Ton sei in den letzten Monaten schroffer geworden: „Teilweise wird versucht, kampagnenartig und mit falschen Behauptungen Stimmung gegen redliche Bauernfamilien zu machen.“

Zuvor hatten Umweltschützer und Ökobauern vor einer immer weiteren Freigabe des globalen Nahrungshandels auf Kosten von Verbraucherrechten gewarnt. Bei der geplanten Freihandelszone mit den USA (TTIPP) seien europäische Umwelt- und Lebensmittelstandards in Gefahr, kritisierte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger. Bundesregierung und EU-Kommission versicherten aber, Schutzregeln zu bewahren. So hatte EU-Agrarkommissar Phil Hogan gesagt, das geplante Freihandelsabkommen solle zusätzliches Wachstum für europäische Lebensmittelhersteller ermöglichen. Bei Produkten mit existierenden geschützten geografischen Angaben werde es keine Änderungen bei Standards geben, betonte Hogan. Auch bei der Kennzeichnung gentechnisch veränderter Produkte werde die EU „hart bleiben“. Zudem machte der Kommissar deutlich, dass die EU in den Verhandlungen generell nicht alle Vorschläge der US-Seite akzeptieren werde. Ähnlich äußerte sich auch Schmidt: Standards der Lebensmittelsicherheit seien „überall nicht verhandelbar“. Er wolle daher „den Mut und die Hoffnung etwas erhöhen“, dass dies auch beim TTIP-Abkommen mit den USA der Fall sein werde.

Umweltorganisationen, Öko- und Kleinbauernverbände fürchten dagegen um eine bäuerliche Landwirtschaft mit kleineren Höfen. Kern der TTIP-Verhandlungen sei „die weitere Ausdehnung des agrarindustriellen Produktionsmodells nach amerikanischem Vorbild“, heißt es in einem „Kritischen Agrarbericht“ zur Grünen Woche. Der Vorsitzende des Naturschutzbunds (Nabu), Olaf Tschimpke, nannte eine weitere Globalisierung der Land- und Ernährungswirtschaft nicht akzeptabel. Der weltweite Agrarhandel ist eines der Themen der Grünen Woche.

Nach der gestrigen Auftaktfeier öffnet die Messe heute für Besucher. In 26 Hallen können sie internationale Speisen probieren und sich über Landwirtschaft informieren. Partnerland ist in diesem Jahr Lettland. Insgesamt erwartet die Messe rund 420  000 Gäste.

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