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Jahresbilanz 2015 : Großer Gewinnsprung für Sparkassen in Schleswig-Holstein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Jahresüberschuss erhöhte sich 2015 um 50 Prozent auf 123 Millionen Euro. Starkes Wachstum gab es bei Wohnungsbaukrediten.

Kiel | Die Sparkassen in Schleswig-Holstein können für das Jahr 2015 ein kräftiges Plus verbuchen. Seit gut sechs Jahren ist der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Schleswig-Holstein jetzt im Amt. Doch so entspannt wie gestern hat Reinhard Boll noch nie eine Jahresbilanz präsentiert. Mit gutem Grund: Die 13 Sparkassen im Land haben im vergangenen Jahr mit 123 Millionen Euro das beste Ergebnis seit langem erwirtschaftet.

Die historisch niedrigen Zinsen scheinen die Geschäfte der Sparkassen nicht zu schädigen. Die Sparer im Land brachten im vergangenen Jahr mehr Geld in die Bankhäuser als eins zuvor. Angekurbelt wird das Geschäft auch durch einen Bauboom.

Bei der Nord-Sparkassen erhöhte sich der Jahresüberschuss nach Steuern gegenüber dem Vorjahr um knapp 50 Prozent. Zugleich sind etliche Baustellen, die Boll übernommen hatte, inzwischen abgeräumt: Das Verhältnis zum Hamburger Mitbewerber Haspa ist geklärt, die einst in Schieflage geratene Nord-Ostsee-Sparkasse und die Sparkasse Südholstein sind gerettet, die Ausstattung der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute mit Eigenkapital ist solide, und die 5,3-prozentige Beteiligung an der HSH Nordbank ist so gut wie abgeschrieben und keine Angstthema mehr.

Allerdings ist das „außergewöhnlich gute Ergebnis“ für den Sparkassen-Präsidenten kein Grund sich auszuruhen. Denn das Bankgeschäft wird nicht einfacher: Niedrige Zinsen, der Wandel im digitalen Kundenverhalten und ein anhaltender „Regulierungswahn“ der Aufsichtsbehörden seien die größten Herausforderungen, die in den kommenden Jahren gemeistert werden müssten, sagt Boll. Deshalb soll vor allem die Digitalisierung von Bankdienstleistungen weiter vorangetrieben werden. „Schon heute sind die Sparkassen die größten Online-Banken, rund 50 Prozent der 1,2 Millionen Girokonten sind Online-Konten“, so Boll.

<p>Sparkassen-Präsident Reinahrd Boll blickt zurück auf ein gutes Jahr 2015.</p>

Sparkassen-Präsident Reinahrd Boll blickt zurück auf ein gutes Jahr 2015.

Foto: shz

Dafür sollen die Sparkassen das fortsetzen, was bereits begonnen hat: Die Umstrukturierung und Modernisierung des Filialnetzes – also weniger Geschäftsstellen und weniger Personal, ohne die Präsenz und Erreichbarkeit in der Fläche maßgeblich zu schwächen. Derzeit unterhalten die Sparkassen noch 425 (Vorjahr: 458) Geschäftsstellen im Land – einschließlich der Selbstbedienungsfilialen. Zugleich beschäftigen die Sparkassen insgesamt 7763 (7821) Mitarbeiter. Das dürfte sich in den kommenden Jahren ändern. Allerdings beruhigt Boll: „Bei der Personalentwicklung kommt uns der demografische Wandel entgegen.“

Zugleich sendet der Sparkassenpräsident versöhnliche Signale Richtung Kundschaft. Trotz der Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Einführung von Strafzinsen soll es weder für Privatkunden noch für Firmenkunden künftig Minuszinsen auf Einlagen geben. Einzig bei Großkunden und institutionellen Anlegern sei es denkbar, dass die Strafzinsen der EZB künftig weitergereicht würden – was bislang allerdings noch nicht geschieht.

Erstaunlich dabei: Trotz Niedrigzinsen haben die Sparkassen im Land im vergangenen Jahr den Zinsüberschuss um 3,3 Prozent steigern können. Zudem trugen höhere Provisionserlöse (plus 2,2 Prozent) zur verbesserten Ertragslage bei. Und: Positiv wirkte sich auch die robuste wirtschaftliche Lage der Unternehmen aus. „Die Wertberichtigungen im Kreditgeschäft fielen dank der guten Wirtschaftsentwicklung gering aus“, so Boll.

Das Geschäftsvolumen der 13 Sparkassen erhöhte sich 2015 von 36,8 auf 37,5 Milliarden Euro. Insgesamt wurden neue Kredite im Wert von 6,2 Milliarden Euro vergeben – ein Plus von 6,4 Prozent. Dabei boomte vor allem das Geschäft mit Wohnungsbaukrediten für private und gewerbliche Investoren, das um gut 28 Prozent zulegte. Insgesamt wurden Wohnungsbaukredite von rund drei Milliarden Euro vergeben. An Unternehmen wurden neue Kredite von vier Milliarden Euro (plus 7 Prozent) zugesagt. Das Kreditgeschäft mit Privatkunden wuchs um 12,1 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Der Kreditbestand der Sparkassen erhöhte sich um 2,8 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro.

Gleichzeitig tragen die Schleswig-Holsteiner – trotz Mini-Zinsen – ihr Geld weiter zu den Sparkassen: Die Kundeneinlagen stiegen erneut von 24,5 auf 26 Milliarden Euro. Dabei legen die Kunden ihr Geld bevorzugt kurzfristig an – auf Tagesgeld- oder Sparkonten. Der Umsatz mit Wertpapieren legte um 10,3 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zu. Allerdings: „Die Schleswig-Holsteiner sind nach wie vor Aktienmuffel“, sagt Boll.

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