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Steuerhinterziehung in der Schweiz : Großbank HSBC half Terroristen, Drogenhändlern und Sportlern

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Ein Datendieb bringt es an den Tag: So half die Schweizer Filiale Tausenden Superreichen, keine Steuern zu zahlen.

Genf | Die weltweiten Steuerermittlungen auf Grundlage gestohlener Kundendaten der Großbank HSBC haben insgesamt mehr als eine Milliarde Euro an Nachzahlungen und Strafgeldern eingebracht. Das berichteten „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR nach Auswertung Tausender vertraulicher Dokumente.

Laut sueddeutsche.de nahm der spanische Fiskus etwa 264 Millionen Euro ein, der indische 449 Millionen, der britische 181 Millionen  und der französische 186 Millionen. Der deutsche Anteil sei dagegen unklar, „weil die HSBC-Unterlagen dezentral bearbeitet wurden“. Die Daten der Schweizer Tochter HSBC Private Bank hatte die französische Polizei 2009 bei einem ehemaligen IT-Mitarbeiter der Bank namens Hervé Falciani beschlagnahmt. Falciani lebt laut sueddeutsche.de von Personenschützern bewacht ins Frankreich, die Schweiz hat unter anderem wegen „unbefugter Datenbeschaffung“ und Verletzung des Bankgeheimnisses Anklage gegen ihn erhoben.

Laut blick.ch gelangten die Daten an die franzöische Zeitung „Le Monde“, die im September 2014 mit der Auswertung der Datensätze von 106.000 Kunden begann. Dabei suchte die Zeitung die Unterstützung des Recherchenetzwerks „Consortium of Investigative Journalists“, zu dem auch „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR gehören. Das Konsortium stellte nun die Ergebnisse der Auswertung vor.

Der Fall macht das Ausmaß deutlich, mit dem die Bank HSBC über ihre Schweiz-Filiale in riesigem Ausmaß Kunden geholfen hat, Steuern zu hinterziehen und Geld zu verschleiern. So seien etwa Millionenbeträge in bar ausgezahlt oder Briefkastenfirmen in der Karibik gegründet worden. Laut sueddeutsche.de habe eine Untersuchung von 3000 der Konten durch französische Steuerbehörden ergeben, dass das Geld nur auf sechs der Konten ordnungsgemäß versteuert war.

In den Daten sind den neuen Berichten zufolge Konten von 106.000 Personen aus mehr als 200 Ländern und Territorien zu finden, mit Einlagen von insgesamt über 75 Milliarden Euro im Jahr 2007. Darunter sollen Verwandte und Regierungsmitglieder von Autokraten wie Ägyptens Ex-Herrscher Hosni Mubarak und Syriens Präsident Baschar al-Assad sein. Sueddeutsche.de zählt außerdem auf: „hochrangige Politiker und höchste Richter, Konzernlenker und Rockstars, Fußball- und Formel-1-Weltmeister, Hollywood-Schauspieler und etliche Mitglieder der reichsten Familien dieser Welt“ - ohne jedoch hier konkrete Namen zu nennen.

Die HSBC erkannte das Fehlverhalten der Schweizer Filiale gegenüber den recherchierenden Medien an. „Wir sind verantwortlich für das Kontrollversagen in der Vergangenheit“, wird das Institut zitiert. Die Tochtergesellschaft habe „zu viele Hochrisiko-Konten“ behalten. Die Bank verwies demnach darauf, dass sie sich mittlerweile von allen steuerlich problematischen Kunden getrennt habe.

Die HSBC ist eine internationale Großbank mit Hauptsitz in London. Gegründet wurde sie im Jahr 1865, um den Handel Europas mit Asien anzuschieben. Die vier Buchstaben stehen für „Hongkong and Shanghai Banking Corporation“. Die heutige Holding-Gesellschaft wurde 1991 gegründet.

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erstellt am 09.Feb.2015 | 10:55 Uhr

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