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SEB-Gruppe : Geplanter Verkauf: WMF soll französisch werden

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Die SEB-Gruppe will die schwäbische Traditionsfirma WMF kaufen, die Verträge sind ausgehandelt. Nur die Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2016 | 13:10 Uhr

Brüssel | Der französische Konzern SEB will den Küchengerätehersteller WMF übernehmen. Eine entsprechende Vereinbarung sei unterzeichnet worden, teilte das französische Unternehmen am Montagabend mit. Man habe sich mit den Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) geeinigt. Der Wert der Transaktion belaufe sich auf insgesamt mehr als 1,5 Milliarden Euro.

Die Wettbewerbsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen. SEB rechnet mit einer Zustimmung im zweiten Halbjahr 2016. „Wir ergänzen uns in unseren Marksegmenten und sind uns als europäische Traditionsunternehmen sehr ähnlich“, teilte WMF-Pressesprecher Kai Hummel mit. „Wir freuen uns auf die künftige Zusammenarbeit, da wir unsere eingeschlagene internationale Wachstumsstrategie zusammen mit der Groupe SEB erheblich beschleunigen können.“ Mit der Bündelung der Expertise könne man künftig noch stärker am Markt auftreten.

SEB bezeichnet sich selbst als Weltmarktführer für kleine Haushalts-Ausstattung. Das französische Unternehmen - dessen Vorläufer 1857 im Burgund gegründet wurde - ist in fast 150 Ländern präsent. Zum Konzern gehören Marken wie Krups, Tefal und Moulinex.

Erst in der vergangenen Woche hatte SEB den Thermoskannen-Hersteller Emsa geschluckt. Mit der Übernahme von WMF wollen die Franzosen nach eigenen Angaben unter anderem Weltmarktführer bei gewerblichen Kaffeemaschinen werden.

Wegen der Übernahme durch die Finanzinvestoren KKR und Fiba hatte sich WMF im März 2015 von der Börse verabschiedet. KKR ist die Kurzform für Kohlberg Kravis Roberts. Der New Yorker Finanzinvestor gehört zu den ältesten, größten und umtriebigsten Firmenjägern der Welt. Ihm gehören zum Beispiel der US-amerikanischen Lebensmittel- und Zigarettenhersteller RJR Nabisco der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 und die Werkstatt-Kette ATU. Sogenannte Private-Equity-Gesellschaften finanzieren ihre Käufe zum überwiegenden Teil durch Kredite - diese Schulden lasten sie den übernommenen Firmen auf, die oft kräftig sparen müssen.

So hat sich auch WMF, der schwäbische Kaffeemaschinen-, Topf- Besteck- und Küchengerätehersteller ein striktes Sparprogramm auferlegt. Die Firma war schon zuvor in Turbulenzen geraten. Insgesamt 400 Stellen wurden abgebaut, das Sortiment gestrafft, einzelne Marken abgestoßen, wenn sie sich gegenseitig Konkurrenz machten.

Der Umsatz von WMF stieg 2015 nach vorläufigen Zahlen um 4 Prozent auf 1,061 Milliarden Euro. Angaben zum Gewinn machte WMF nicht.

SEB hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr mit 26.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 4,8 Mrd Euro gemacht, der Gewinn unterm Strich lag bei 206 Millionen Euro. SEB produziert wie WMF auch Kochgeschirr und zahlreiche Elektrokleingeräte von der Fritteuse bis zum Waffeleisen. Die Groupe SEB verkauft nach eigenen Angaben 200 Millionen Produkte pro Jahr.

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