Wirtschaftskriminalität : Geldwäsche in SH: 169 Firmen im Land kontrolliert

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Deutschland ist beliebtes Ziel von Geldwäschern.

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Das Finanzministerium hat das Personal aufgestockt. Bei den Verdachtsmeldungen geht es um insgesamt 585.000 Euro.

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30. Juli 2019, 21:27 Uhr

Kiel | Experten schätzen, dass in Schleswig-Holstein jedes Jahr ein dreistelliger Millionenbetrag gewaschen wird. Seit zwei Jahren ist es Aufgabe des Kieler Finanzministeriums zu prüfen, ob Unternehmen in Schleswig-Holstein das neue Geldwäschegesetz befolgen.

„Die Neuaufstellung der Geldwäscheprävention läuft gut an“, erklärte Finanzministerin Monika Heinold (Grüne). „Mit mehr Manpower konnten wir den Kontrolldruck in der Fläche erhöhen.“ Das Personal wurde von zwei auf vier Stellen aufgestockt, wie Ministeriumssprecherin Svea Balzer erklärt. Es gab 42 Kontrollen direkt in Unternehmen, und in 127 weiteren Fällen wurden Unterlagen angefordert. Die Bilanz: Sechs Verdachtsmeldungen mit einer Gesamtsumme von 585.000 Euro.

SH ist „prädestiniert für Geldwäsche“

Das Finanzministerium überwacht den sogenannten Nichtfinanzsektor. Dazu zählen unter anderem Händler hochwertiger Güter und Immobilienmakler. Nehmen diese einmalig Bargeld von 10.000 Euro an, müssen sie einen Geldwäschebeauftragten bestellen – und Verdachtsfälle melden. Svea Balzer: „Ihre Meldungen schicken sie direkt an die FIU, die Financial Intelligence Unit in Köln, das Finanzministerium wird nicht benachrichtigt.“

Damit lässt sich in Kiel nicht abschätzen, wie groß die Ehrlichkeit im Land ist. Allerdings erlaubt der Jahresbericht der Anti-Geldwäsche-Einheit FIU deutliche Einblicke. 2018 wurden bundesweit so viele Verdachtsmeldungen abgegeben wie nie zuvor: 77.252. Aber: 98 Prozent davon kamen aus dem Finanzsektor, lediglich 597-mal meldeten Güterhändler, Immobilienmakler, Rechtsanwälte, Notare oder Wirtschaftsprüfer einen Verdacht. Offensichtlich ist hier die Hemmschwelle hoch, seinen Kunden oder Klienten anzuschwärzen.

„Als Transitland sind wir prädestiniert für Geldwäsche“, sagt Volker Willert, Leiter des Dezernates Wirtschaftskriminalität im Kieler Landeskriminalamt. Soll heißen: Bargeld kommt ins Land und verlässt es als Luxusgut wieder. Kunst, Antiquitäten, Gold, Schmuck, Yachten und teure Autos sind beliebt. Gerne bleibt das Geld aber auch im Norden – in Form von Immobilien.

Forderungen in Richtung Berlin

Unter den Erwischten, die das Finanzministerium auf seiner Webseite auflistet, sind zwei Immobilienmakler, drei Juweliere und ein „sonstiger Güterhändler“. Das Finanzministerium setzt auf Aufklärung, es habe bereits mehrere Informationsveranstaltungen mit der Kfz-Innung und der IHK gegeben. „Ist allerdings festzustellen, dass sich die Verpflichteten offensichtlichen Verdachtsmomenten verschließen, um einen wirtschaftlichen Vorteil zu erlangen, wird das Finanzministerium von Sanktionen Gebrauch machen“, betont Balzer.

Heinold sieht insbesondere Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) in der Pflicht. Der will am Mittwoch im Bundeskabinett einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorlegen.




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