Tarifverhandlungen der Lokführer : GDL und Bahn: In kleinen Schritten zum Ziel

Seit Montag sitzen Bahn und Lokführergewerkschaft nach längerer Pause wieder am Verhandlungstisch. Beide Seiten dämpfen aber die Hoffnungen auf eine schnelle Einigung.

shz.de von
19. Januar 2015, 17:27 Uhr

Berlin | Die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL wollen bei ihren Tarifverhandlungen schrittweise vorankommen. Beide Seiten rechnen nicht mit einem schnellen Tarifabschluss. Er sehe den Gesprächen „zuversichtlich entgegen“, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, unmittelbar vor der Fortsetzung der Verhandlungen am Montag in Berlin.

Ein Tarifabschluss sei auch für den nächsten Termin am 28. Januar noch nicht zu erwarten. Erst danach wolle die GDL den Zwischenstand bewerten und feststellen, ob die Bahn auf Zeit spiele oder nicht. Die Gewerkschaft hat in dem Tarifkonflikt bereits sechsmal zum Streik aufgerufen, zuletzt Anfang November.

In dieser Runde werde es um kürzere Arbeitszeiten gehen und um eine Begrenzung von Überstunden, erläuterte Weselsky. Die GDL hat zuletzt gefordert, die Wochenarbeitszeit um eine Stunde zu verkürzen. „Zunächst werden wir uns sicherlich über die Tarifstruktur einigen müssen, aber auch da sehen wir zuversichtlich den Verhandlungen entgegen“, fügte Weselsky hinzu.

Erst massive Streiks, dann wochenlang Ruhe - wie kam es dazu?

Es ist noch immer einer der schwierigsten Tarifkonflikte in der Geschichte der Deutschen Bahn. Sechsmal haben die Lokführer seit vergangenem Sommer gestreikt, zuletzt Anfang November für 34 Stunden allein im Personenverkehr. Wenige Tage vor Weihnachten dann die Überraschung: Der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Claus Weselsky, spricht nach einer neuen Verhandlungsrunde vom „Durchbruch“. Tatsächlich gab es Fortschritte - und einen neuen Termin erst jetzt, fast fünf Wochen später. Deshalb die lange Ruhe.

Ist der von den Lokführern erklärte Durchbruch wirklich schon erreicht?

Nur zum Teil. Beide Seiten machten mit der Einigung auf eine Einmalzahlung von 510 Euro einen Strich unter das Jahr 2014.

Entscheidend für Weselsky war, dass die Bahn damit eine Abschluss für alle GDL-Mitglieder schloss - nicht nur für Lokführer, sondern auch für Zugbegleiter, Gastronomen, Lokrangierführer, Instruktoren, Trainer, Disponenten. Doch für die Zeit ab 2015 ist noch alles offen.

Warum schlägt GDL-Chef Weselsky jetzt wieder schärfere Töne an?

Er will den Druck im Bahn-Tarifkessel aufrechterhalten. Spiele die Bahn auf Zeit, sei die Gewerkschaft quasi über Nacht wieder im Arbeitskampfmodus, drohte er am Wochenende - eine Drohung, die er am Montagmorgen nur im Ton abmilderte, nicht aber in der Sache.

Zeitspiel kann sich Weselsky nicht leisten, seine Mitglieder kämpfen schon so lange für mehr Geld und kürzere Arbeitszeiten. Er hat außerdem registriert, dass nach seinem Wort vom „Durchbruch“ urplötzlich die konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) den Bremsklotz in den Verhandlungen spielte.

Warum ist die Lösung so kompliziert?

Die GDL will Abschlüsse auch für ihre Mitglieder in Berufsgruppen machen, für die bisher die EVG verhandelt hat. Die Bahn will aber erreichen, dass in den getrennten Verhandlungen mit beiden Gewerkschaften das Gleiche herauskommt. „Es kann nicht sein, dass für ein und dieselbe Arbeitnehmergruppe beispielsweise unterschiedliche Arbeitszeiten gelten“, sagt Bahn-Personalchef Ulrich Weber im Deutschlandfunk. Es gibt auch die Befürchtung, dass sich sonst GDL und EVG in Zukunft bei ihren Forderungen gegenseitig hochschaukeln.

Wann kann ich endlich wieder ohne Angst vor Streiks einen Fahrschein buchen?

Das ist schwer zu sagen. „Da sind schon noch ein paar Verhandlungsrunden zu fahren“, orakelte Weselsky vorige Woche. „Wir legen von unserer Seite Wert darauf, möglichst im März fertig zu werden.“ Bahn-Personalchef Weber meint, dass es am Verhandlungstisch noch „extrem mühsam“ wird. „Völlig überflüssig“, findet er aber Weselskys neue Streikdrohung. „Das macht die Leute nur unruhig und hilft in den Verhandlungen keinen Millimeter weiter.“

Für das Jahr 2014 hatte die GDL für alle ihre Mitglieder eine Einmalzahlung von 510 Euro ausgehandelt. In diesem Tarifvertrag würden erstmals die Berufsgruppen, für die die Regelungen gelten sollen, benannt, sagte Weselsky. Es handele sich aber um einen Extra-Tarifvertrag, „der nichts mit dem zu tun hat, was noch vor uns liegt“.

Die Bahn verhandelt getrennt mit der GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Sie will aber erreichen, dass am Ende für die jeweilige Berufsgruppe das gleiche Tarifergebnis herauskommt.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber sagte, er gehe mit „einer gespannten Erwartung“ in die Verhandlungen. „Dass wir über das Thema Belastung und Arbeitszeit reden wollen und reden müssen, ist unstreitig.“ Die Frage sei, „was fällt uns ein, um dort, wo die Belastung zu viel wird, eingreifen zu können, etwa über Einstellungen oder andere Schichtsysteme.“ Die Vorschläge der Bahn lägen dazu auf dem Tisch.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen