Digitaler Schatz : Fünftel der Staatsschulden: Bulgariens Bitcoins sind 3,3 Milliarden Dollar wert

Die Digitalwährung Bitcoin boomt, doch die Risiko für die Anleger ist hoch.
Die Digitalwährung Bitcoin boomt, doch die Risiko für die Anleger ist hoch.

Die Kryptowährung Bitcoins startet mit Gewinnen in neue Ära. Für Bulgarien sieht die Lage immer besser aus. Sollte das Land sein Paket verkaufen, würden die Anleger das zu spüren bekommen.

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11. Dezember 2017, 10:59 Uhr

Sofia | Es klingt wie im Märchen: Durch einen überraschenden Fund könnte das ärmste Land in der Europäischen Union knapp ein Fünftel seiner Staatsschulden tilgen. Weder ist Bulgarien auf eine Goldader gestoßen, noch verzeichnet es unerwartete Steuermehreinnahmen: Der südosteuropäische Staat schwimmt in Bitcoins. Der Gegenwert der Kryptowährung ist in den den letzten Monaten derart explodiert, dass Bulgarien auf 3,3 Milliarden Dollar sitzt: Bei einer Jahreswirtschaftsleistung 52,4 Milliarden Dollar.

Und das kam so: Bei einem Schlag gegen Korruption und organisierte Kriminalität wurden im Mai 213.519 Bitcoins beschlagnahmt. Damaliger Wert: 500 Millionen Dollar. Seitdem befanden sie sich relativ unbemerkt in Staatsbesitz – und der Wert stieg und stieg. Etwa 19 Prozent der gesamten Staatsschulden deckt der digitale Reichtum des Landes derzeit.

Hintergrund: Bitcoins

Das Online-Geld ist seit 2009 im Umlauf. Bitcoins werden in komplizierten Rechen-Prozessen erzeugt, können aber auch im Internet mit etablierten Währungen wie Dollar oder Euro gekauft werden. Sie kommen vor allem bei Zahlungen im Internet zum Einsatz.

Bitcoins sollen einen Zahlungsverkehr ermöglichen, der unabhängig von Regierungen und Banken funktioniert - und bei dem die Teilnehmer anonym bleiben können. Wegen geringer Kontrolle und großer Schwankungen sind Bitcoins umstritten. Als Urheber des Bitcoin-Konzepts gilt eine Figur namens Satoshi Nakamoto. Wer sich dahinter verbirgt, ist weiterhin nicht abschließend erklärt. Ein australischer Computerexperte erklärte sich zwar zum Autor der Währung, blieb am Ende aber den ultimativen Beweis schuldig.

 

Was die Regierung mit dem Schatz anfangen will, ist noch nicht bekannt. Die Euphorie in der Bitcoin-Szene wird durchrüttelt durch die Angst vor einem bulgarischen Ausverkauf. Ein solcher hätte einen massiven Preisverfall zur Folge.

Neue Bitcoin-Ära startet erfolgreich

Ungeachtet dessen startete die Digitalwährung am Montag in eine neue Zeitrechnung, und sie legt weiter zu. Seit Sonntagnacht gibt es mit Bitcoin-Terminkontrakten - sogenannten Futures - das erste Mal ein Finanzprodukt, mit dem die Internetwährung auch an regulierten Börsen gehandelt werden kann. Investoren können damit auf steigende und fallende Bitcoin-Kurse setzen. Die Aufnahme des Handels war mit Spannung erwartet worden, da die zuletzt stark gestiegene Digitalwährung einen großen Schritt in die traditionelle Finanzwelt macht.

Nach holprigem Start an der Chicagoer Optionsbörse CBOE kam am Montag schnell Schwung in den Handel. Der Preis für den bis Mitte laufenden Bitcoin-Terminkontrakt schoss rasch nach oben - so schnell, dass der Börsenbetreiber die vorher festgelegten Regeln nutzte und den Handel unterbrach. Zuletzt pendelte sich der Bitcoin-Future um 18.000 Dollar ein - ein Plus von rund 20 Prozent im Vergleich zum ersten Kurs. Der Höchstkurs hatte am Morgen bei 18.700 Dollar gelegen.

Neue Sicherheiten

Auf den Bitcoin selbst wirkte der Start des Futures kurstreibend. Beim Handelsplatz Bitstamp kostete ein Bitcoin am Morgen rund 16.200 Dollar und damit deutlich mehr als noch am Sonntag. Mit Future-Kontrakten werden Rohstoffe oder Finanzprodukte zu einem vorab festgelegten Preis für einen künftigen Zeitpunkt gehandelt.

Käufer und Verkäufer können sich so gegen Preisschwankungen absichern. Risiken entstehen dann, wenn eine der beiden Parteien das Geschäft nicht erfüllen kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Versprechen nicht eingelöst werden kann, ist umso größer, je stärker der Preis des Produkts schwankt. Platzt ein Termingeschäft, ist ein gefährlicher Dominoeffekt möglich.

Es sind auch Spekulationen auf Kursentwicklungen möglich - auch auf einen Wertverfall. Kritiker der Digitalwährung können dank des Terminhandels also auch gegen den Bitcoin spekulieren. In den vergangen Tagen hatte der Bitcoin wegen der zunehmenden Nervosität vor dem Future-Start noch stärker geschwankt als zuvor. Seit Mittwoch vergangener Woche sprangen die Notierungen für den Bitcoin zwischen rund 11.600 Dollar und 16.600 Dollar hin und her. Noch stärker waren die Ausschläge bei der Handelsplattform Coinbase, wo der Bitcoin am Donnerstagabend kurzzeitig fast 20.000 Dollar gekostet hatte.

Hier lagen die Bitcoin-Kurse zuletzt bei knapp 16.900 Dollar. Die nach wie vor hohen Unterschiede der Notierungen sind ein weiterer Beleg dafür, wie undurchsichtig und schwer einzuschätzen der Bitcoin-Markt ist. Im frühen Handel am Montagmorgen hatte die Differenz zeitweise mehr als 1000 Dollar betragen - in den Tagen zuvor waren es zum Teil noch viel größere Abstände. Die Notierungen bei anderen Handelsplätzen wie Itbit und Kranken liegen dazwischen.

Weiterer Anstieg möglich

Viele Beobachter fürchten, dass es in den kommenden Tagen mit dem Start von Bitcoin-Finanzprodukten an etablierten US-Börsen zu weiteren Marktverwerfungen kommen könnte. Zu Jahresbeginn stand der Wert des Bitcoin noch bei 1000 Dollar. Seither befindet er sich auf einer rasanten Rekordjagd, die sich in den vergangenen Monaten zunehmend beschleunigt hat und mit teils hohen Kursschwankungen einhergeht. Notenbanker und Experten warnen vor der Unberechenbarkeit der Digitalwährung. Auch führende Banker sind skeptisch.

Die „Wirtschaftsweise“ Isabel Schnabel hatte am Wochenende vor möglichen systemischen Risiken nach dem Future-Start gewarnt. Wenn die Internetwährung aus einer Nische in die etablierte Finanzwelt vordringe, berge das Gefahren: „Die Preisentwicklung der Bitcoins erinnert an die großen Blasen der Wirtschaftsgeschichte, zum Beispiel an die Tulpenkrise. Solange die Spekulationen mit Eigenkapital finanziert sind, verlieren die Investoren im Falle eines Crashs zwar viel Geld, die Ansteckungsgefahren dürften aber begrenzt sein“, sagte sie der „Welt am Sonntag“.

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