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Fresenius wird Klinik-Gigant

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Medizinkonzern zahlt für 43 Krankenhäuser drei Milliarden Euro / Tochter Helios wird sie künftig betreiben

Vor genau einem Jahr sah es so aus, als wäre die größte Übernahmeschlacht auf dem deutschen Klinikmarkt gescheitert. Der Medizinkonzern Fresenius stiegt damals aus dem erbitterten Übernahmepoker um das Rhön-Klinikum aus. Doch nun die Überraschung: Die Fresenius-Tochter Helios wird doch neuer Gigant unter den privaten Trägern. Statt die Rhön-Klinikum AG komplett zu kaufen, übernimmt Fresenius 43 Kliniken und 15 medizinische Versorgungszentren von Rhön. Die Krankenhauskette Helios betreibt dann 117 von insgesamt 697 privaten Kliniken bundesweit – darunter sechs in Schleswig-Holstein, nämlich die ehemaligen Damp-Kliniken in Schleswig, Damp, Kiel, Schönhagen und Lehmrade sowie die Klinik Geesthacht. Bezahlt hat der Bad Homburger Konzern für den jüngsten Coup gut drei Milliarden Euro.

„Mit dieser Transaktion erreicht Fresenius Helios das Ziel, flächendeckend in Deutschland vertreten zu sein“, teilte das Unternehmen gestern mit. Künftig könnten 70 Prozent der Menschen in Deutschland binnen einer Stunde eine Helios Klinik erreichen. Helios habe dann einen Anteil am gesamten Krankenhausmarkt von sechs bis sieben Prozent und ist damit mit Abstand der größte private Klinikbetreiber mit einem Umsatz von knapp 5,5 Milliarden Euro. Konkurrenten wie Asklepios und der Medizinzulieferer B. Braun hatten dies zu verhindern versucht und sich mit jeweils fünf Prozent bei Rhön eingekauft. Asklepios fürchtete einen zu dominanten Konkurrenten. Braun wollte vermeiden, dass ein Mega-Konzern die Preise drücken kann. Anders als die Komplettübernahme ist der Klinik-Kauf jedoch ohne Zustimmung der Hauptversammlung möglich – und kann daher nicht mehr gestoppt werden.

Der private Krankenhausmarkt wurde bislang von wenigen, nahezu gleich starken Ketten beherrscht. Dazu zählen neben Fresenius und Rhön unter anderem auch Asklepios (mit Einrichtungen in Bad Oldesloe, Bad Schwartau und auf Sylt) und die Sana Kliniken (Oldenburg, Eutin, Wedel und das Management der Imlandkliniken Rendsburg und Eckernförde).

Rhön will sich künftig vor allem auf Krankenhäuser konzentrieren, an denen Spitzenmedizin und universitäre Forschung betrieben wird, unter anderem auf die Universitätskliniken in Gießen und Marburg. Interesse hatte der Konzern auch schon früh am Einstieg beim Universitätsklinikum Schleswig-Holstein bekundet. Mit dem Verkauf verliert Rhön fast zwei Drittel seines Umsatzes, der 2012 noch bei 2,86 Milliarden Euro gelegen hatte. Das Kartellamt muss den Deal noch prüfen. An der Börse sorgte die Ankündigung für ein Kursfeuerwerk: Rhön-Titel legten um zehn Prozent zu.

Bundesweit gibt es neben den 697 privaten Kliniken, 601 öffentliche Häuser und 719 mit einem freigemeinnützigen Träger. Die Privaten haben einen Marktanteil von 13 Prozent.

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