Aktionärs-Versammlung : Freenet-Chef gewinnt Machtprobe

Er bleibt: Eckhard Spoerr ist weiterhin Vorstandsvorsitzender der Freenet AG. Foto: dpa
Er bleibt: Eckhard Spoerr ist weiterhin Vorstandsvorsitzender der Freenet AG. Foto: dpa

Eckhard Spoerr hat sich durchgesetzt. Die Aktionäre Drillisch und United Internet wollten ihn stürzen. Doch die Investoren fanden nur wenig Unterstützer unter den Aktionären.

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09. August 2008, 10:51 Uhr

Hamburg | Von einer Schlammschlacht und einem beispiellosen Akt war im Vorfeld die Rede. Eckhard Spoerr, Vorsitzender des Telekommunikationsunternehmen Freenet, sollte gestern auf der Hauptversammlung gestürzt werden. Aber die Marathonsitzung nahm für den Freenet-Gründer ein gutes Ende. Der Antrag der Großaktionäre United Internet und Drillisch, die 26 Prozent kontrollieren, fand keine Mehrheit. Nur knapp 36 Prozent der Aktionäre unterstützen den Antrag. Spoerr machte seinen Gegenspielern sogar ein Friedensangebot: "Wir können auch ein Bier gemeinsam trinken, so schlimm ist es doch nicht."
Der Redebedarf aufgebrachter Aktionäre war so groß, dass mitunter das Mikrofon abgestellt wurde. Zornige Aktionäre, die Klarheit beim milliardenschweren Kauf des Mobilfunkanbieters Debitel fordern, Nachfragen, ob Spoerr einen Teil seines Vermögens nach Südafrika transferiert habe und nicht zuletzt Klagen über den ewigen Streit zwischen Vorstand sowie Drillisch und United Internet.
Der 40-jährige Spoerr hatte alles getan, um eine Mehrheit zu organisieren. Drillisch-Vorstand Vlasios Choulidis sagte schon am Morgen: "Ich glaube nicht, dass wir die nötige Mehrheit dafür erhalten werden." Das Anti-Spoerr-Lager hatte eine Armada an Anwälten aufgeboten, die das Aktionärstreffen mit Dutzenden Wortmeldungen in die Länge zogen. So oder so: In Aktionärskreisen wird erwartet, dass Spoerr den Posten in den kommenden Monaten niederlegen könnte.
Kämpfer gegen die Zerschlagung
Wie kam es zu der Eskalation? Für United-Internet-Gründer Ralph Dommermuth und Drillisch-Vorstand Choulidis war Ende 2007 die Zerschlagung von Freenet beschlossene Sache. United Internet wollte die Internet-Sparte, Drillisch das Handygeschäft. Doch im Frühjahr holte der Freenet-Chef zum Gegenangriff aus: Mit dem Kauf des doppelt so großen Mobilfunkanbieters Debitel schaffte Spoerr den mit 19 Millionen Kunden drittgrößten Handy-Anbieter nach T-Mobile und Vodafone.
Die langfristige Entscheidung über den Verbleib Spoerrs fällt der Investor Permira - der durch den Verkauf von Debitel nun 25 Prozent an Freenet hält. Und: Dem Vernehmen nach stößt Spoerrs Vorgehen auch bei Permira auf Kopfschütteln - zumal keine Ergebnisverbesserung in Sicht ist.

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