Frauen im Job: Kreis Segeberg ist Spitze

Appell bei der Bundeswehr: Eine Frau inmitten von Männern. Bundesweit liegt die Beschäftigungsquote der Frauen mit 51,8 Prozent immer noch deutlich hinter der der Männer (59,2 %).
Appell bei der Bundeswehr: Eine Frau inmitten von Männern. Bundesweit liegt die Beschäftigungsquote der Frauen mit 51,8 Prozent immer noch deutlich hinter der der Männer (59,2 %).

Schleswig-Holstein liegt im Bundesdurchschnitt / Im Osten Deutschlands sind deutlich mehr Frauen in Lohn und Brot als im Westen

shz.de von
14. Januar 2015, 13:36 Uhr

Die Hälfte der Frauen im Norden hat einen Job. Damit sieht es im Norden ähnlich wie in den meisten westdeutschen Bundesländern aus. Im Osten ist die Situation anders, wie eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt. Sie weist für Schleswig-Holstein und Hamburg eine Frauenbeschäftigungsquote von jeweils 52 Prozent aus. Damit liegen die beiden Nord-Länder knapp über dem Bundesschnitt von 51,8 Prozent, wie die Stiftung gestern in Gütersloh mitteilte. Bundesweit zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen West und Ost – in den neuen Bundesländern arbeiten weitaus mehr Frauen. Dabei bezieht sich die Studie auf die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Andere Berufsgruppen wie Beamte oder Freiberufler wurden nicht berücksichtigt.

Die niedrigste Quote in Schleswig-Holstein hat Flensburg: Dort waren nur 44,2 Prozent der Frauen zwischen 18 und 64 Jahren sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Kaum mehr waren es im Kreis Dithmarschen (45,6 Prozent) und Kiel (46,2). Spitzenreiter waren die Kreise Segeberg (57,4), Stormarn (57,0) und Pinneberg mit 56,2 Prozent (siehe Infokasten).

Die Studie, die die Situation in bundesweit 295 Landkreisen und 106 kreisfreien Städten unter die Lupe nahm, zeigt deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. Während in den neuen Bundesländern die Frauenbeschäftigungsquote 2012 bei 57,9 Prozent lag, kam der Westen auf 50,9 Prozent. Seit 2006 hat sich die Quote im Osten von 50,9 auf 57,9 Prozent erhöht, im Westen von 45,8 auf 50,9 Prozent. Spitzenreiter im Ländervergleich ist Sachsen mit einer Quote von 58,5 Prozent, gefolgt von Brandenburg und Thüringen (beide 58 Prozent). Am unteren Ende der Skala stehen das Saarland (47,2 Prozent), Nordrhein-Westfalen (47,5 Prozent) sowie Niedersachsen (50,4 Prozent) und Rheinland-Pfalz (50,6 Prozent). Die größten Differenzen im Städteranking waren zwischen Potsdam mit einer Quote von 60,1 Prozent und dem baden-württembergischen Heidelberg (38,7 Prozent) festzustellen.

Den Grund für den weiterhin deutlichen Ost-West-Unterschied sehen die Experten der Stiftung in den verschiedenen Rollenbildern. Im Gegensatz zu den neuen Bundesländern sei das gleichberechtigte Doppelverdiener-Modell im Westen weniger stark verbreitet. Hier sei meist der Mann der Hauptverdiener.

Da die Zahl der potenziellen Arbeitskräfte in Zukunft sinken werde, sei es wichtig, mehr Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren, heißt es weiter. Auswertungen belegten, dass erwerbstätige Frauen hoch und teilweise höher qualifiziert sind als Männer. Dieses Wissenspotenzial müsse künftig besser genutzt werden, urteilten die Experten. Der Vorschlag: Frauen, die in Teilzeit arbeiten, könnten etwa ihre Wochenarbeitsstunden bei verbesserten Rahmenbedingungen ausweiten. „Das wäre nicht nur ein Hebel zum Ausgleich der demographischen Nachteile, sondern würde auch dem persönlichen Risiko einer wachsenden Altersarmut entgegenwirken.“

Auch aus demographischer Sicht ist eine Analyse der Frauenbeschäftigungsquoten wichtig: Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der potenziellen Arbeitskräfte in der Altersgruppe von 25 bis 64 Jahren um 11,1 Prozent zurückgehen, in Schleswig-Holstein um 7,7 Prozent (siehe Infokasten). Dr. Kirsten Witte, Programmdirektorin der Bertelsmann Stiftung: „Mehr Frauen eine Berufstätigkeit zu ermöglichen, ist eine Herausforderung für die Kommunen mit ihren Unternehmen und die gesamte Gesellschaft, denn gerade angesichts des hohen Qualifikationsniveaus von Frauen schlummern hier große Potenziale für den Arbeitsmarkt.“

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