Franken-Freigabe schickt Schweizer Börse in den Keller

shz.de von
15. Januar 2015, 15:06 Uhr

Die Schweiz hat völlig überraschend die Kopplung ihres Franken an den Euro aufgehoben und damit Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst. Seit mehr als drei Jahren galt ein Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro, der die heimische Währung künstlich billig machen sollte, um Schweizer Exporteuren zu helfen. Die Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von gestern ließ den Aktienmarkt in Zürich einbrechen. Der Franken wurde massiv teurer gehandelt. Die Börsen gingen auch außerhalb der Schweiz auf Achterbahnfahrt. Der Goldpreis legte kräftig zu. Der Euro fiel zwischenzeitlich auf 1,1575 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit November 2003. Die Finanzmärkte wurden vom spektakulären Schritt der Schweizer auf dem falschen Fuß erwischt. Der Schweizer Leitindex SMI brach zeitweise um fast 14 Prozent ein. In dem 20 Unternehmen umfassenden Index rutschten mit Ausnahme des Telekomkonzerns Swisscom alle Werte massiv ab. Die Kurse des Uhrenherstellers Swatch, des Luxusunternehmens Richemont oder des Zementherstellers Holcim sanken an der Börse in Zürich um zwölf bis 15 Prozent. Die Kurse der Banken Julius Bär und UBS gaben um zehn Prozent nach. Laut Schätzungen wurden in kurzer Zeit Börsenwerte von rund 100 Milliarden Dollar vernichtet. Der SMI beendet diesen historischen Handelstag mit einem Minus von über 8 Prozent.

Der deutsche Leitindex Dax und andere europäische Börsen knickten kurzfristig ein. Die Wogen glätteten sich aber kurz darauf wieder. Der Dax sprang schließlich sogar über die psychologische wichtige Marke von 10  000 Punkten (10032,61). Viele Anleger griffen zum Gold, dessen Preis um etwa 2,7 Prozent auf bis zu 1264 Dollar für die Feinunze stieg. Das ist der höchste Stand seit September 2014.

Analysten fanden drastische Worte, sie sprachen von einem „Schocker“, gar von einer „Kapitulation“ der Notenbank. Auch deren Glaubwürdigkeit wurde in Frage gestellt. Die Schweizer Wirtschaft verliert mit der Aufgabe des sogenannten Mindestkurses ihren Schutzschirm: Eingeführt hatte die SNB den Mindestkurs in der heißen Phase der Euro-Schuldenkrise. Damals hatten viele Anleger aus dem krisengeschüttelten Währungsraum ihr Geld in der als sicher geltenden Schweiz angelegt. Die darauf folgende deutliche Aufwertung des Franken belastete die exportorientierte Wirtschaft im Land.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen