Förderbank stützt Boom am Bau

Neubau: Für Eigentumsmaßnahmen vergab die Förderbank 387 Millionen Euro.
Neubau: Für Eigentumsmaßnahmen vergab die Förderbank 387 Millionen Euro.

Zahl der geförderten Wohnungen in Schleswig-Holstein fast verdoppelt / Mittelstand fragt weniger Geld nach

Margret Kiosz von
27. März 2018, 16:15 Uhr

Weil der Steuerzahler den Bau neuer Sozialwohnungen mit 250 Euro pro Quadratmeter – das sind rund 10 Prozent der Baukosten – subventioniert, schießen bei der Investitionsbank Schleswig-Holstein die Förderanträge durch die Decke. „Wir konnten die Zahl der geförderten Wohnungen nahezu verdoppeln, auf 1700“, sagte gestern Erk Westermann-Lammers, Vorstandschef der landeseigenen Förderbank. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2018 waren es bereits rund 350 Wohneinheiten. 36 Prozent der Fördermittel aus der Wohnraumförderung wurden an Genossenschaften, 22 Prozent an freie Wohnungsunternehmen und 21 Prozent an private Investoren vergeben. Die geförderten Bauten befinden sich überwiegend in kreisfreien Städten und Kommunen im Hamburger Umland.

Für Eigentumsmaßnahmen hat die Bank Fördermittel in Höhe von 387 (Vorjahr 393) Millionen Euro vergeben – vor allem für Ein- und Zweifamilienhäuser. Dabei stand der Wunsch der neuen Eigenheimbesitzer nach langen Laufzeiten und Zinsbindungen im Vordergrund. Insgesamt verhalf die Bank 4561 (Vorjahr 4896) Familien zu Wohneigentum. Einen Run verzeichnet Westermann-Lammers auf Zuschüsse für Maßnahmen zum Einbruchschutz. Der mit 2,7 Millionen (Vorjahr 610 000) Euro gut gefüllte Fördertopf des Landes war schnell wieder leer.

Ein weiterer Förderschwerpunkt ist die Finanzierung des Mittelstandes. Insgesamt stellte die Bank ihm 591 (Vorjahr 717) Millionen Euro zur Verfügung. „Der Rückgang spiegelt die gute Liquiditätsausstattung der Hausbanken wider“, so der Bank-Chef. „Auch hier wurden überwiegend lange Laufzeiten und Zinsbindungen nachgefragt.“ Die IB.SH könne auf Grund ihres Triple-A-Ratings, das im Überprüfungsprozess 2018 erneut bestätigt wurde, attraktive Konditionen und langfristige Zinsbindungen anbieten. Die nutzen auch die Kommunen: Rege Nachfrage gab es von Breitband-Zweckverbänden. Die IB.SH unterstützt die Landesregierung bei der Umsetzung der Breitband-Strategie in 525 Gemeinden. „Damit gewähren wir Zugang zum sehr schnellen Internet und leisten einen wichtigen Beitrag für die Digitalisierung im Norden“, sagte Westermann-Lammers. Insgesamt hat er im vergangenen Jahr 539 Millionen Euro an Kommunen vergeben.


Große Nachfrage beim Meister-Bafög

2017 setzte sich der positive Trend beim Aufstiegs-Bafög fort: Hier wurden 26,3 Millionen Euro für 3400 Personen bewilligt, ein Plus von 30 Prozent. „Qualifizierung hat weiterhin Hochkonjunktur“, erklärte der Vorstandsvorsitzende mit Verweis auf den wachsenden Fachkräftemangel.

Ein besonderes Augenmerk will die Bank auf die Beratung bei der Nachfolger-Suche legen, da in den nächsten Jahren rund 7000 Firmenchefs aus Altersgründen ausscheiden werden. Schon heute hat Schleswig-Holstein bundesweit das höchste Durchschnittsalter bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), warnt Westermann-Lammers. „Das heißt, Nachfolgeprozesse müssen überdurchschnittlich häufig angestoßen werden.“

Insgesamt hat die Bank mit dem Gesamtvolumen von 2,33 (Vorjahr 2,36) Milliarden Euro Fördermitteln die wirtschaftliche Entwicklung im Norden gezielt unterstützt. Das Bilanzvolumen blieb stabil bei 19 Milliarden Euro. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 27 auf jetzt 596. Obwohl sich der Anteil internetbasierter Dienstleistungen aufgrund veränderter Kundennachfragen kontinuierlich erhöht, plant die Bank einen millionenschweren Neubau in zentraler Stadtlage mit Wasserblick. Die Ausschreibungen sollen noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden. Ein Architektenwettbewerb ist nicht vorgesehen. Umziehen will man 2020.

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