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Germanwings-Flug 4U9525 : Flugzeugabsturz in Frankreich: Schwerer Schlag für Airbus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die dritte Maschine des Flugzeugbauers verunglückt innerhalb weniger Wochen. Experten nennen den Absturz in den Alpen „sehr rätselhaft“.

shz.de von
erstellt am 25.Mär.2015 | 10:36 Uhr

Toulouse/Hamburg | Der Absturz des A320 ist auch für den Flugzeugbauer Airbus ein erneuter Rückschlag. Die Maschine gehört zu der am meisten verkauften Flugzeugklasse. Über die Ursache können Experten bisher nur rätseln. In der Zentrale des Flugzeugbauers in Toulouse wurde gestern ein Krisenstab einberufen. Bei dem Flugzeugbauer konzentriert sich in solchen Momenten alles auf die Aufklärung der Lage. Aber auch in Toulouse sind die Informationen zunächst sehr knapp.

Die seit den 1980er Jahren gebauten A320-Mittelstreckenjets gehören zu den meistverkauften Flugzeugtypen der Welt, mehr als 8000 Maschinen der Modellfamilie sind weltweit unterwegs.

Der Absturz des A320 von Germanwings ist für den Flugzeugbauer bereits die dritte Katastrophe innerhalb nur weniger Wochen: Im Dezember 2014 stürzte ein Airbus A320-200 von Air Asia auf dem Weg von Indonesien nach Singapur in die Java-See. Von den 162 Menschen an Bord überlebte niemand.

Auch die beiden Hubschrauber beim Absturz in Argentinien Anfang März stammten aus der Airbus-Gruppe. Bei dem Zusammenstoß während Dreharbeiten für eine Reality-Show starben neben den zwei argentinischen Piloten acht Franzosen, darunter auch drei bekannte Spitzensportler. Bei solchen Katastrophen schickt Airbus immer auch hauseigene Experten an die Unfallstellen. Damit sollen die Ermittler vor Ort unterstützt werden und auch Erkenntnisse für die eigene Produktion gesammelt werden.

Der Absturz des Airbus von Germanwings mitten im Flug gibt Experten Rätsel auf. „Der Absturz geschah in der Flugphase, in der statistisch am allerwenigsten passiert“, sagte Jan-Arwed Richter vom Hamburger Luftfahrt-Unfalluntersuchungsbüro Jacdec. Die meisten Unfälle passierten bei Start und Landung. Der Fall sei daher „sehr rätselhaft“.

Warum die Maschine abstürzte, wird nach Darstellung des Luftfahrt-Experten Thomas Saquer von der Unternehmensberatung Frost & Sullivan frühestens in einigen Wochen geklärt sein. Die erste Blackbox hatten Helfer bereits am Dienstagabend gefunden.

Wartungsmängel bei der Maschine der Lufthansa-Tochter hält Saquer für unwahrscheinlich: „Da macht die Lufthansa keinen Unterschied zwischen den Fliegern der Mutter und denen der Tochtergesellschaft.“ Im aktuellen Sicherheitsranking von Jacdec liegt Germanwings mit einem Indexwert von 0,109 aber deutlich hinter der Lufthansa mit einem Wert von 0,016. Auch der Billigflieger Ryanair und die russische Aeroflot schneiden besser ab als Germanwings.

An den in der Statistik registrierten Zwischenfällen müsse die jeweilige Fluggesellschaft allerdings keine Schuld treffen, betonte Jacdeq-Gründer Richter. Beim Absturz eines Airbus-A330-Langstreckenjets von Air France im Jahr 2009 waren die sogenannten Pitotrohre an der Außenseite des Flugzeugs vereist und lieferten falsche Werte. Dort werden mit Hilfe des Luftstroms Geschwindigkeitsdaten gewonnen. Die Maschine wurde zu langsam und fiel aus 11.000 Metern Höhe vor Südamerika in den Atlantik. Alle Insassen starben.

Eingefrorene Pitotrohre machten auch der Lufthansa zu schaffen. Eine Maschine der Germanwings-Mutter ging im November 2014 plötzlich in den Sinkflug über. Die Piloten mussten den Bordcomputer abschalten, um die Kontrolle über das Flugzeug zurückzugewinnen. Als Sofortmaßnahme tauschte Lufthansa bei der kompletten A320-Familie die Sensoren aus. Die Airbus-Jets werden stark von Elektronik kontrolliert. Der Bordcomputer soll verhindern, dass die Piloten das Flugzeug in eine gefährliche Situation bringen. Allerdings benötigt er dafür die richtigen Daten.

Das abgestürzte Germanwings-Flugzeug ist nach Angaben der Fluggesellschaft mit aktuellster Computertechnik ausgestattet gewesen. Ein Technik-Problem, wie es kürzlich bei einer Lufthansa-Maschine aus derselben Airbus-Familie bekanntgeworden war, sei daher bei dem Unglücksflieger nicht zu erwarten. Das sagte der Leiter des Flugbetriebs bei Germanwings, Stefan-Kenan Scheib, in Köln. Der Jungfernflug der Maschine war am 29. November 1990. Ausgeliefert wurde der Airbus am 6. Februar 1991 an die Lufthansa.

Noch vor dem Hinflug von Düsseldorf nach Barcelona war die Maschine in einer Routine-Wartung. Das Luftfahrtbundesamt in Braunschweig hat nach dem Absturz des Jets einen Krisenstab gebildet. Erforderliche Unterlagen zur Unglücksmaschine seien bereits sichergestellt worden, sagte Sprecher Holger Kasperski. „Das Flugzeug ist ordnungsgemäß gewartet und instand gehalten worden.“

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