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Nach Aus für Air Berlin : Flughäfen in Berlin: Internationale Anbindung verschlechtert sich

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Engpässe am Himmel: Luftfahrtexperten rechnen erst für den Winterflugplan 2018/19 mit einer Normalisierung.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 09:32 Uhr

Mit dem letzten Air-Berlin-Flug am vergangenen Freitag verschlechtert sich die internationale Anbindung der Hauptstadt massiv. Obwohl Lufthansa als größter Profiteur der Air-Berlin-Pleite auf ihrer Kurzstrecke nach Frankfurt zeitweise den Langstreckenjumbo 747 für 400 Passagiere einsetzt, warnt Lufthansa-Vorstandsmitglied Harry Hohmeister vor „Engpässen“ im Berlinverkehr. Nicht jeder Geschäftsreisende werde mehr zur gewünschten Zeit fliegen können. Auch Easyjet bietet für ihre Air-Berlin-Anteile nur einen eingeschränkten Flugplan an.

Zwar hatte das Air-Berlin-Werbemotto „typisch Berlin“ in letzter Zeit einen makabren Beiklang. Flugstreichungen, Gepäckverluste und Bummelstreiks von Piloten wurden zum typischen Symbol der Pleiten-Pech-und-Pannenserie in Berlins Flughafenpolitik. Während aber Lufthansa von Berlin aus hauptsächlich Umsteigeverkehr zu den Drehkreuzen Frankfurt und München anbietet, sorgte Air Berlin für Hunderte Nonstop-Verbindungen in Europa, nach Nordamerika und Ostasien. Mit ihren Zubringerflügen nach Abu Dhabi waren Australien und Neuseeland schneller als über Frankfurt erreichbar.

Ausländische Touristen, Politiker und Unternehmer wundern sich zwar über den schäbigen Zustand der Flughäfen Tegel und Berlin-Schönefeld. Zumindest konnten sie Deutschlands Hauptstadt aber vergleichbar schnell wie Brüssel oder Madrid erreichen. Dieser Standortvorteil endet mit dem Aus für Air Berlin. Mancher Bundestagsabgeordnete muss künftig erheblich mehr Zeit für seine Dienstreisen einplanen – und kann den heimischen Wahlkreis in Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Hessen nur noch umständlich erreichen.

Lobbyisten wie Unternehmer, die ebenfalls auf schnelle Verkehrswege angewiesen sind, äußern die Hoffnung, das Bundeskartellamt oder die Europäische Kommission werde ein Monopol der Lufthansa im Berlinverkehr verhindern. Dafür gibt es Anzeichen. Unabhängig davon wird eine neue ICE-Strecke das Berliner Zentrum ab Dezember innerhalb von vier Stunden mit der Münchener Innenstadt verbinden. Das entspricht dem Zeitaufwand eines Fluges.

Tragisch bleibt, dass Air Berlin als Standortfaktor für die Hauptstadt von Anfang an unwirtschaftlich war. Das Einzugsgebiet von Berlin umfasst zwar sechs Millionen Menschen. Auch aus den polnischen Grenzstädten Stettin, Poznan oder Wroclaw treten Passagiere ihren Flug ab Berlin an. Während aber Westdeutschlands Metropolen über mächtige Konzernzentralen verfügen, ist die Einkommens- und Vermögensstruktur der Region Berlin-Brandenburg für hochpreisige Fluggesellschaften uninteressant.

Obwohl der Berlin- und Polittourismus in voller Blüte steht, mangelt es an Geschäftsreisenden für teure Businessclass-Tickets. Mit 30 Millionen ausländischen Gästen pro Jahr nahm Berlin zwar Rom den dritten Rang im europäischen Städtetourismus ab. Die meisten Berlinbesucher kommen aber mit Billigairlines wie Easyjet, Norwegian oder Ryanair. Mit deren Kostenniveau konnte Air Berlin nicht mithalten – und Lufthansa will es sowieso nicht. Selbst ihre Konzerntochter Eurowings ist teurer.

Zumindest für eine längere Übergangszeit wird die Hauptstadt damit hinter der Luftverkehrsanbindung von Stuttgart oder Düsseldorf zurückbleiben. Luftfahrtexperten rechnen erst für den Winterflugplan 2018/19 mit einer Normalisierung. Was das für die ohnehin schwächelnde Wirtschaftskraft der Spreemetropole bedeutet, muss sich erweisen. Berlins Tourismusmanager zeigen sich dennoch optimistisch. Langfristig werde hohe Passagiernachfrage zu besseren Flugangeboten führen. Die Kapazitätsengpässe am künftigen Flughafen BER müssen also trotz der Air-Berlin-Pleite behoben werden.

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