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Stagnierende Umsatzentwicklung : Flaute in deutschen Seehäfen

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Die Krisen in China und Griechenland und die Verzögerung bei der Elbvertiefung sind nur einige Gründe für die Situation der Häfen in Hamburg, Wilhelmshaven und Bremen.

shz.de von
erstellt am 18.Nov.2015 | 20:22 Uhr

Hamburg | Deutschlands Seehäfen treten auf der Stelle. 2015 sei nur eine stagnierende Umsatzentwicklung zu erwarten, prognostizierte der Zentralverband der Deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) gestern bei seiner Mitgliederversammlung in Hamburg.

Im ersten Halbjahr war die Menge der umgeschlagenen Güter minimal um 0,1 Prozent gesunken. Für das Gesamtjahr erwarten die Häfen an Nord- und Ostsee insgesamt wieder rund 304 Millionen Tonnen, so viel wie 2014. Ursache des Stillstands sind laut ZDS-Präsident Klaus-Dieter Peters vor allem „herausfordernde Rahmenbedingungen“, sprich der Wachstumsrückgang in China, die Krisen in Russland, der Ukraine und Griechenland sowie die anhaltenden Verzögerungen bei der Vertiefung von Elbe und Weser.

Der Zentralverband vertritt 190 Hafenunternehmen an mehr als 20 Standorten. Diese sichern nach eigenen Angaben hierzulande direkt und indirekt bis zu 500.000 Arbeitsplätze. Die mit Abstand bedeutendsten Standorte bilden die Containerhäfen von Hamburg und Bremen/Bremerhaven sowie Wilhelmshaven, wo vor allem Rohöl eingeführt wird. Auf diese drei entfällt mehr als die Hälfte des Gesamtumschlags. Aktuell durchschreitet vor allem der Platzhirsch Hamburg eine Talsohle und rechnet für 2015 mit zehn Prozent weniger Containern. Ein Teil des Geschäfts ist nach Antwerpen und Rotterdam abgewandert.

Gleichwohl blicken die maritimen Anbieter im Norden „grundsätzlich optimistisch“ in die Zukunft, wie Peters unterstrich. Für 2016 und 2017 rechnet er wieder mit Wachstumsraten „im unteren einstelligen Prozentbereich“.

Voraussetzung sei aber, die Infrastruktur wie vereinbart zügig zu erweitern und zu modernisieren. Der vom Bund angekündigte Ausbau der seewärtigen Zufahrten und der Hafenhinterlandanbindungen werde den Wirtschafts- und Logistikstandort nachhaltig stärken, so Peters, zugleich Vorstandschef der Hamburger Umschlagriesen HHLA.

„Hier werden im wahrsten Sinne des Wortes gerade die richtigen Weichen gestellt“, lobte der ZDS-Präsident das Sofortprogramm „Seehafen-Hinterland-Verkehr II“, mit dem Berlin für 350 Millionen Euro Engpässe im Eisenbahnverkehr beseitigen will. Allerdings müssten Bund und Länder Personal in den Verwaltungen entsprechend aufstocken, um die Baumaßnahmen auch umsetzen zu können. Zudem verlangt der ZDS dafür „uneingeschränktes Baurecht“.

Kritik übte der Verbandschef an einer „wettbewerbsverzerrenden“ europäischen Umwelt- und Energiepolitik. Ein Dorn im Auge sind den Seehäfen regionale Umweltschutzmaßnahmen wie die geplante Einführung von Stickstoff-Emissions-Überwachungsgebieten (NECA) in Nord- und Ostsee. „NECA und auch die bereits eingeführten Schwefel-Emissions-Überwachungsgebiete müssen auch für die Mittelmeerhäfen gelten.“

Auch technologisch wollen die deutschen Häfen Gas geben. Das sowohl für die Digitalisierung vieler Leistungen als auch für die Suche nach Alternativen zum umweltschädlichen Schiffsdiesel, vor allem durch Flüssigerdgas (LNG). Peters: „LNG ist der saubere Schiffstreibstoff der Zukunft.“ Allerdings müsse der Staat einen Hemmschuh für den LNG-Durchbruch beseitigen. Der Hafenchef forderte eine EEG-Umlage-Befreiung für innovative umweltfreundliche Stromversorgungsalternativen von Schiffen wie Landstrom und die Versorgung über umweltfreundliche LNG-Kraftwerkschiffe („Power Barges“).

 
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