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Dax bricht ein : EZB: Mario Draghis Anleihenkäufe und die Folgen für jeden

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Die EZB öffnet die Geldschleusen noch weiter. Ziel ist es, die Inflation anzuheizen. Die Maßnahmen sind umstritten.

Frankfurt/Main | Im Kampf gegen Mini-Inflation und flaue Konjunktur legt die Europäische Zentralbank (EZB) nach. Sie verlängert den milliardenschweren Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren um ein halbes Jahr. Die Notenbank wolle bis mindestens Ende März 2017 monatlich 60 Milliarden Euro in den Markt pumpen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Die Börse reagierte prompt mit Kursabschlägen.

Dauerhaft niedrige Preise könnten Firmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben - in der Hoffnung auf weiter sinkende Preise. Die Inflation im Euroraum ist seit Monaten im Keller - trotz der Geldschwemme der EZB.

Was heißt das eigentlich für Verbraucher?

Das Zinsniveau im Euroraum bleibt absehbar extrem niedrig. Das ist schlecht für Sparer, die in Deutschland traditionell vor allem auf Tagesgeld, Festgeld und Sparbuch setzen. Auf der anderen Seite sind Baukredite historisch günstig, auch wenn die Hypothekenzinsen im Frühjahr sogar noch günstiger waren als derzeit.

Die EZB-Geldflut hat auch noch einen anderen Effekt: Der Euro verliert gegenüber dem Dollar an Wert. Das bekommen alle zu spüren, die in die USA reisen. Auch Urlaube in der Schweiz oder Reisen in Nicht-Euroländer wie Großbritannien werden tendenziell teurer.

Wie reagiert die Börse?

Der Dax ging steil auf Talfahrt und sackte zuletzt um 2,21 Prozent auf 10.943,11 Punkte ab. Damit rutschte der deutsche Leitindex wieder unter den viel beachteten 200-Tage-Durchschnittskurs, der als Gradmesser für den langfristigen Trend gilt. Dieser liegt derzeit bei 11.085 Punkten. Der MDax fiel derweil um 1,39 Prozent auf 21.092,26 Zähler. Der Index mittelgroßer Unternehmen hatte erst am Dienstag ein Rekordhoch markiert. Der Technologiewerte-Index TecDax büßte 1,49 Prozent auf 1845,70 Punkte ein. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sackte um 2,01 Prozent ab.

Notfalls könne das Programm auch noch nach März 2017 weiterlaufen, sollte die derzeit extrem niedrige Inflation sich bis dahin nicht in Richtung des EZB-Ziels von knapp unter 2,0 Prozent bewegt haben, sagte Draghi.

Seit diesem März kauft die EZB jeden Monat Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro. Mit dieser Maßnahme - im Fachjargon „quantitative Lockerung“ (englisch: „Quantitative Easing“/„QE“) genannt - wollen die Währungshüter Konjunktur und Preisauftrieb anschieben. Denn das frische Geld kommt im Idealfall über Banken in Form von Krediten bei Unternehmen und Verbrauchern an.

 

Bis zum 27. November hat die EZB in diesem Rahmen allein Staatsanleihen im Gesamtvolumen von 445,5 Milliarden Euro erworben.

Die Wirkung von Anleihenkäufen ist unter Volkswirten und Notenbankern umstritten, weil bereits extrem viel billiges Zentralbankgeld im Umlauf ist und die Zinsen weiterhin historisch niedrig bleiben.

Gerade in Deutschland ist die ultra-lockere Geldpolitik umstritten, es gibt massive Zweifel an der Wirksamkeit weiterer Maßnahmen. Die Bundesbank warnt davor, dass sich Investoren und Staaten an das billige Geld gewöhnen und zunehmend höhere Risiken eingehen beziehungsweise Reformen verschleppen. „Je länger die extrem lockere Geldpolitik andauert, umso weniger wirkt sie und umso mehr Risiken und Nebenwirkungen kommen ins Spiel“, hatte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gesagt.

Beim „Quantitative Easing“ nimmt die Menge (Quantität) des Zentralbankgeldes zu: Eine Notenbank druckt sich selbst Geld, um Wertpapiere zu kaufen. Meist sind das Anleihen von Staaten und Unternehmen.

 

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erstellt am 03.Dez.2015 | 16:28 Uhr

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