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Experten suchen die mobile Zukunft

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Benzin und Diesel gehören der Vergangenheit an. Gefahren wird mit Strom, Erdgas, Biogas, ja vielleicht auch mit Wasserstoff. Das wäre die Energiewende auf deutschen Straßen. Kommt sie? Wann kommt sie? Oder kommt sie doch nicht? Die Experten sind sich nicht einig, wie gestern auf der Fachtagung „Klimafreundliche Mobilität“ in Neumünster deutlich wurde.

Eingeladen hatte die Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein (EKSH) zusammen mit dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) und den Stadtwerken Neumünster. EKSH-Geschäftsführer Hans-Jürgen Block hatte 15 Fachleute aus der gesamten Republik zusammengetrommelt. „Diese Tagung ist ein Anfang zu Überlegungen, wie es im Lande weitergehen soll“, sagte Block vor über 200 Zuhörern in der Holstenhalle. Im Foyer vergnügten sich Schüler auf E-Bikes und mit elektrisch angetriebenen Spielzeugautos. Fast alle Hersteller präsentierten ihre E-Mobile auf dem Freigelände. Im Mittelpunkt stand ein Elektrobus aus deutsch-chinesischer Kooperation. Deutschlands einziger Bus, der rein elektronisch angetrieben wird und eine Reichweite von 250 Kilometern hat, wird von der Pinneberger Kreisverkehrsgesellschaft betrieben. Deren Geschäftsführer Hans-Jürgen Lamla ist in seiner Euphorie gar nicht zu bremsen. Fast eine Stunde lang redete er das Fahrzeug schön. Kurz zuvor, bei einer VIP-Ausfahrt in der Mittagspause, wurden die Fahrgäste nass. Es regnete durch. Irgendwo, das Loch wurde nicht gefunden.

Rund 200 Elektroautos sind in Schleswig-Holstein angemeldet. Dagegen stehen 2 500 Fahrzeuge mit Gas-, knapp 2000 mit Hybridantrieb. Die klimafreundliche Mobilität hält sich bei den Schleswig-Holsteinern noch in Grenzen. „Eine größere Reichweite und ein niedriger Kaufpreis sind notwendig, keine Zuschüsse der öffentlichen Hand“, bemerkt Verkehrsminister Reinhard Meyer in seinen Ausführungen.

Hier Elektro, da Erdgas. Der Wettbewerb ist in vollem Gang. Die Stadtwerke Neumünster gehen bei der Fahrzeugauswahl seit Jahren den innovativen Weg. Ihre Pkw fahren mit Strom oder Gas, die Busse mit Erdgas. Stadtwerke-Chef Matthias Trunk zieht ein durchwachsenes Fazit: Sowohl E-Mobile als auch Autos mit Erdgasantrieb haben noch große Defizite, skizziert Trunk an einigen Beispielen. Auch Jörg Rudat, Innovationsmanager der Schleswig-Holstein Netz AG, weiß von zahlreichen Mängeln. Die E.ON Hanse-Konzerngruppe hat 151 mit Erdgas und 17 mit Strom angetriebene Fahrzeuge im Fuhrpark. Bereits 1976 stand bei Firmenvorgänger Schleswag ein Transporter mit E-Antrieb auf dem Hof. Das Fahrzeug hatte damals eine Reichweite von 60 Kilometern, fast 40 Jahre später sind die Batterien für höchstens 300 Kilometer gut. Ein Beispiel, das viel aussagt und die Zuhörer auch noch nach der Diskussion zum Nachdenken bringt.

Jürgen Muhl

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erstellt am 08.Mai.2014 | 13:58 Uhr

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