Sinkende Preise : Experten rechnen auch 2015 mit billigem Öl

Erdölförderung: Vorerst wird weiter gepumpt.
Erdölförderung: Vorerst wird weiter gepumpt.

Der Ölpreis soll noch länger billig bleiben, sagen Experten. Fragen und Antworten zu den Ölvorräten auf der Erde.

shz.de von
01. Januar 2015, 13:01 Uhr

Die These ist so verbreitet, dass sie kaum mehr angezweifelt wird: Das Ende des Erdöl-Zeitalters steht bevor. Öl ist heute schon knapp und hat seinen Zenit als Energielieferant der industriellen Epoche überschritten. Doch der Rohölpreis hat sich – zur Freude von Verbrauchern und Wirtschaft – in den vergangenen sechs Monaten fast halbiert.

Wieviel Öl gibt es noch auf der Erde?

Die Fachleute unterscheiden zwischen Reserven und Ressourcen. Reserven sind Rohstoffe, die mit heutigen Mitteln wirtschaftlich gefördert werden können, also zum Verbrauch zur Verfügung stehen. Ressourcen sind weitere Vorkommen eines Rohstoffs in der Erdkruste, die aber noch nicht zugänglich sind. Die Ölreserven betragen, je nach Quelle, ungefähr 220 bis 240 Milliarden Tonnen, davon etwa ein Fünftel aus unkonventionellen Quellen wie Schieferöl und Ölsände. Den bisherigen Verbrauch seit Beginn des Ölzeitalters beziffert die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) auf 175 Milliarden Tonnen.

Wie lange reicht das Öl?

Bei heutigem Verbrauch noch mehr als 50 Jahre. Nach der Prognose von BP erhöht sich der Ölverbrauch jedoch bis 2035 von heute 90 auf 109 Millionen Barrel pro Tag. Andere Prognosen sind niedriger, die Internationale Energie-Agentur (IEA) rechnet mit 104 Millionen Barrel bis 2040.

Kann diese steigende Nachfrage mittelfristig befriedigt werden?

Da streiten die Gelehrten. Die Anhänger der Peak-Oil-Theorie gehen davon aus, dass bei konventionellem Öl bereits das Fördermaximum erreicht ist und nur mit teuren unkonventionellen Methoden wie Fracking von Ölschiefer und Förderung von Ölsänden noch Produktionssteigerungen möglich sind. „Nur Nordamerika trug in den Jahren seit 2005 überhaupt zu einer Steigerung der globalen Ölförderung bei. Ohne Berücksichtigung der USA und Kanada ist die Welt bereits seit neun Jahren auf dem Ölfördergipfel“, heißt es bei der Peak-Oil-Fraktion.

Wird diese Sichtweise in der Fachwelt geteilt?

Die Peak-Oil-Theorie hat eher an Zustimmung verloren; auch weil ihre Befürworter den Zeitpunkt für den Ölgipfel schon mehrfach verschieben mussten. „Die Dinge stehen nicht still in der Energieindustrie“, sagt Daniel Yergin, einer der weltweit führenden Ölexperten. Durch technische Innovation könnten immer neue Ressourcen entwickelt und zu förderbaren Reserven werden. Für jedes geförderte Fass Öl würden so 1,5 neue Fässer den Reserven hinzugefügt.

Warum kommt es immer wieder zu starken Schwankungen beim Ölpreis?

Der Wissenschaftler Leonardo Maugeri hat bereits 2012 eine Ölschwemme und fallende Preise ab 2015 vorhergesagt, weil die Kapazitäten zur Ölförderung auf der Angebotsseite erheblich ausgeweitet würden. „Der Schiefergas-Ölboom in den USA ist keine Blase, sondern die wichtigste Revolution im Ölsektor seit Jahrzehnten“, schrieb er in einer Studie. Es gebe enorme Mengen von konventionellem und unkonventionellem Öl. Ein Fördergipfel, ein Peak-Oil, sei nicht in Sicht. So ist es gekommen. Es gibt Öl im Überfluss und die Preise sind verfallen.

Wie wird sich der Ölpreis im Jahr 2015 entwickeln?

Kurzfristige Preisschwankungen kann beim Öl niemand vorhersehen. Mittelfristig erwarten viele Experten aber eine Periode mit gemäßigten Preisen und gut versorgten Märkten für mehrere Jahre.

 
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