Ex-Prokon-Chef im Visier der Justiz

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15. Juli 2014, 13:36 Uhr

Gegen den Gründer der zahlungsunfähigen Windenergie-Firma Prokon Regenerative Energien, Carsten Rodbertus, ermittelt die Staatsanwaltschaft Lübeck wegen Insolvenzverschleppung. Nach einem Anfangsverdacht seien nun offizielle Ermittlungen gegen die Verantwortlichen des Unternehmens eingeleitet worden, sagte Oberstaatsanwältin Wenke Haker-Alm gestern. Es werde auch wegen weiterer Wirtschaftsdelikte ermittelt, Details wollte sie nicht nennen. Wegen der „Unmenge von Datenmaterial“ rechnet die Oberstaatsanwältin damit, dass die Ermittlungen mindestens ein Jahr dauern werden.

Die Behörde hatte nach mehreren Strafanzeigen geprüft, ob ein Anfangsverdacht wegen Betruges bestand. In der nächsten Woche (22.7.) sollen Prokon-Gläubiger bei einer Versammlung in Hamburg Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin den Auftrag für einen Insolvenzplan erteilen. 75 000 Anleger hatten dem Unternehmen rund 1,4 Milliarden Euro als Genussrechtskapital bereitgestellt. Sie hatten auf hohe Renditen gehofft. Die Staatsanwaltschaft muss unter anderem herausfinden, wann genau der Zeitpunkt einer Zahlungsunfähigkeit eingetreten ist. Penzlin ist überzeugt, dass im Insolvenzverfahren das Kerngeschäft – Planung und Betrieb von Windparks – erhalten bleiben kann. Der von ihm entlassene Rodbertus hält Penzlin dagegen vor, das Unternehmen zerschlagen zu wollen.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) warnen vor dem Vorgehen des Ex-Chefs. Auch der Verein „Freunde von Prokon“ (FvP), dem 8500 Anleger beigetreten sind, lehnt eine weitere Zusammenarbeit mit Rodbertus ab.

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