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Umstellungs-Debakel : EU verschiebt Sepa-Pflicht

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Die EU will die Frist für die Sepa-Umstellung kassieren. Unternehmen und Vereine haben sich nicht schnell genug vorbereitet. Um ein Zahlungschaos zu vermeiden, sollen sie mehr Zeit bekommen.

Schwerer Rückschlag beim europäischen Zahlungssystem Sepa: Die Übergangsfrist soll um sechs Monate verlängert werden. Das würde bedeuten, dass Geldtransfers im hergebrachten Format noch bis zum 1. August möglich sind, teilte die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel mit. Mit dem Schritt will die EU-Behörde verhindern, dass vom 1. Februar an Zahlungen blockiert werden könnten, die nicht das neue Sepa-Format mit den internationalen IBAN-Kontonummern haben. Der offizielle Sepa-Start ist am 1. Februar. EU-Finanzminister und das Europaparlament müssen dem Verlängerungs-Vorschlag noch zustimmen – Termine dafür sind bisher offen.

„Wir bedauern das“, sagte die Sprecherin von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Eine weitere Verlängerung über den 1. August hinaus werde es nicht geben. „Einige Staaten sind (bei der Umstellung) weiter fortgeschritten als andere“, so die Sprecherin. Die Kommission wolle mit dem Schritt insbesondere Verbraucher und mittelständische Unternehmen schützen.

Bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken in Schleswig-Holstein lag die Quote der Lastschriften im Dezember bei etwa 45 Prozent. „Die Lastschriften sind besonders wichtig, daher haben wir darauf einen besonderen Fokus gelegt“, sagt Frank Meier, Sepa-Experte der Volksbanken Raiffeisenbanken in Schleswig-Holstein. Die Quote bei den Überweisungen lag bei 25 Prozent. Bei den Sparkassen-Kunden im Land reicht der Vorbereitungsstand von „recht gut bis grottenschlecht“, berichtet Sprecher Joachim Brandt vom Sparkassen- und Giroverband.

In Deutschland hatten bis Anfang Januar gut eine Million Unternehmen und 280.000 Vereine die für die Sepa-Umsetzung notwendige Gläubiger-Identifikationsnummer (Gläubiger-ID) bei der Bundesbank beantragt. Insgesamt gibt es laut Statistischem Bundesamt bundesweit rund 3,6 Millionen Unternehmen und etwa 580.000 Vereine.

Brandt hält die Entscheidung der Kommission für nachvollziehbar. „Es ist keine Absage von Sepa, sondern eine Verlängerung der Vorbereitungsphase von sechs Monaten. Das wird sicherlich ein wenig Entspannung bringen.“ Kritik hingegen üben die Volks- und Raiffeisenbanken. „Die Fristverlängerung wäre nicht notwendig gewesen, bringt aber Erleichterungen für diejenigen Unternehmen und Vereine, bei denen es mit der Umstellung auf die neuen Sepa-Verfahren zum 1. Februar möglicherweise knapp geworden wäre“, sagte ein Sprecher.

Die Bundesbank hatte bereits vor Verzögerungen bei Sepa gewarnt. Im November 2013 seien in Deutschland erst 32 Prozent aller Überweisungen im Sepa-Format erfolgt, hatte die Notenbank mitgeteilt. Nach Angaben der Kommission gab es keinen Druck aus Hauptstädten für die Verlängerung. Kommissar Barnier sagte: „Ich habe mehrfach gewarnt, dass die Umstellung zu langsam läuft, und ich rufe die Mitgliedstaaten erneut auf, ihre Verantwortung zu übernehmen und Anstrengungen zu verstärken, auf Sepa umzustellen(...)“.

Was bedeutet Sepa?

Das Kürzel steht für Single Euro Payments Area – einen einheitlichen Zahlungsraum für Transaktionen in Euro. Dort werden Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen standardisiert und gleich abgewickelt – egal ob sie ins Inland oder über Grenzen gehen.

Zu Sepa gehören 33 Länder: Die 28 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und die Schweiz.

Warum gewährt die EU den Aufschub?

Unternehmen und Vereine, die sich nicht rechtzeitig vorbereitet haben, hätten ihre Zahlungen – etwa an Lieferanten oder Mitarbeiter – nicht mehr abwickeln können. Damit hätten Liquiditätsengpässe gedroht. Nach einer Ende November veröffentlichten Umfrage der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) im Auftrag der Commerzbank können Mittelständler die Engpässe im Schnitt 37 Tage lang überbrücken – 14 Prozent sind aber schon nach 5 Tagen nicht mehr flüssig, weitere 19 Prozent nach 15 Tagen.

Wie weit ist die Umstellung in Deutschland?

Nach Angaben der Bundesbank erfolgte im November erst knapp jede dritte Überweisung im neuen Sepa-Datenformat. Noch schlechter sah es bei den Lastschriften aus, bei denen das deutsche Volumen fast die Hälfte des kompletten Euroraums ausmacht. Von werktäglich 35 Millionen Lastschriften im Wert von 52 Milliarden Euro wurden im November demnach nur 10 Prozent mit Sepa abgewickelt. Aktuellere Daten liegen derzeit nicht vor.

Wie ist der Stand in Europa?

„Im ganzen Euroraum haben Betroffene ihre Zahlungssysteme erfolgreich umgestellt“, erklärte die Europäische Zentralbank am Donnerstag. Die jüngsten Informationen der nationalen Behörden zeigten, dass die Umstellung in hoher und steigender Geschwindigkeit erfolge. Allerdings sind einige Staaten nach Angaben der EU-Kommission bei der Umstellung weiter fortgeschritten als andere.

Vor allem Finnland, Luxemburg, Slowenien und die Slowakei waren dem zweiten Sepa-Bericht der EZB vom Herbst zufolge gut vorangekommen. In kleineren Ländern sei die Umstellung allerdings auch weniger komplex als in größeren, gaben die Währungshüter zu bedenken.

Was bedeutet Sepa für Verbraucher?

Verbraucher können die alte Kontonummer und Bankleitzahl ohnehin bis zum 1. Februar 2016 noch nutzen. Daueraufträge werden von Banken automatisch umgestellt. Einzugsermächtigungen zum Beispiel von Energieversorgern oder Vereinen behalten ihre Gültigkeit. Verbraucher werden von ihnen über die Umstellung auf Sepa-Lastschrift informiert.

Welche Vorteile hat das neue System?

Eine Überweisung ins europäische Ausland soll beim Sepa-Verfahren schneller gehen und nur noch einen Bankgeschäftstag dauern. Derzeit kann es bei Auslandstransfers bis zu einer Woche sein.

Auslandsüberweisungen sollen außerdem nicht mehr teurer sein als Geldtransfers im Inland. Sepa-Überweisungen sind allerdings nur in Euro möglich. Bei anderen Währungen muss der Bankkunde eine Auslandsüberweisung vornehmen.

 
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erstellt am 09.Jan.2014 | 16:53 Uhr

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