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Wirtschaft

22. Oktober 2017 | 07:12 Uhr

EU straft Banken ab

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jahrelang jonglierten Finanzinstitute mit den Referenzzinsen – jetzt folgt eine Milliardenbuße

shz.de von
erstellt am 05.Dez.2013 | 00:35 Uhr

Banken haben über Jahre Referenzzinsen wie Libor und Euribor manipuliert. Mit der Trickserei konnten sie mehr Gewinn machen oder ihre brenzlige Lage vertuschen. Zur Strafe müssen sechs Institute nun 1,7 Milliarden Euro EU-Geldbuße zahlen. 2012 flog alles auf. Jetzt zieht die EU die Konsequenzen. Die Deutsche Bank und andere müssen Rekordstrafen zahlen.

> Was sind Libor, Euribor und Tibor?

Referenzkurse, die täglich angeben, zu welchen Konditionen Banken sich gegenseitig Geld leihen können. Aus diesen Daten wird in London der Libor (London Interbank Offered Rate) gebildet. Berechnet wird er für verschiedene Währungen. Während der Libor für Dollar-Geschäfte besonders wichtig ist, ist es der in Brüssel festgesetzte Euribor (Euro Interbank Offered Rate) für den Euro und der japanische Tibor für den Yen. Nach EU-Angaben basieren Finanzprodukte im Wert von tausend Billionen Euro auf diesen Sätzen – das ist eine Eins mit 15 Nullen.

> Warum sind die Zinssätze so anfällig für Manipulationen?

Weil die Banken diese Sätze lange Jahre fast ohne Kontrolle selbst festlegen konnten. Sie basieren nicht auf realen Daten – den Kosten von tatsächlichen Krediten – sondern auf Umfragen. Die Banken schätzen, zu welchem Zins sie sich von anderen Instituten Geld leihen können. Ob die gemeldeten Daten stimmen, ist nur schwer nachzuprüfen.

> Wie viel Geld wurde mit den Tricksereien gemacht?

Das weiß niemand. Wegen des riesigen Volumens haben Manipulationen aber selbst im Mini-Promille-Bereich lukrative Auswirkungen.

> Wem schadet das?

Anderen Banken, Unternehmen und auch Verbrauchern. Denn an Libor und Euribor orientieren sich weltweit die Zinsen von Finanzprodukten, Derivaten und Krediten. Sie sind die „Thermometer der Finanzmärkte“. Direkt beeinflusst werden Kredite mit variablen Zinssätzen. Diese sind vor allem in Großbritannien oder Spanien verbreitet; weniger in Deutschland, wo Häuslebauer oft Kredite mit festen Zinsen haben. Bankkunden könnte auch Schaden bei Sparguthaben entstanden sein. Dies zu messen, ist aber kaum möglich.

> Was bedeutet die Strafe für die Banken?

Finanziell dürften die Institute die Geldbußen leicht stemmen können. In jedem Fall bedeutet es aber einen Imageschaden.

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