Es geht um Milliarden

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Die Dürreschäden der Landwirtschaft rufen die Banken auf den Plan

shz.de von
07. August 2018, 15:59 Uhr

Es geht ums Geld. Sehr viel Geld. Die Dürre- und Hitzeperiode hält weiter an, bringt Landwirte in Bedrängnis und sorgt bei manchem Betrieb inzwischen für gefährliche Liquiditätsengpässe. Damit wird aus der schlechten Ernte aber auch ein Thema für die Banken – besonders für die genossenschaftlichen Institute.

„Der Agrarbereich hat bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken in unserem Land einen besonders hohen Stellenwert“, sagt Stefan Lohmeier, Sprecher der Volks- und Raiffeisenbanken in Schleswig-Holstein. Das sei auch historisch bedingt, erklärt der Vorstand der Raiffeisenbank Bargteheide eG weiter. Tatsächlich ging es schon dem Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen einst vor allem um die Unterstützung der Landwirte. Man stehe „zu 110 Prozent hinter unseren Landwirten“, heißt es dann auch heute bei den genossenschaftlichen Instituten im Land. Mit allen Kunden sei man schon im Gespräch.

Auf 4,7 Milliarden Euro belief sich allein bei den Volks- und Raiffeisenbanken im Norden während der letzten 12 Monate das Volumen der Kredite im Agrarbereich. Das ist gut ein Viertel des Gesamtkreditvolumens der Institute in dieser Zeit. Die Landwirtschaft ist somit ein wesentlicher Faktor für das Geschäft. Hinzu kommt, dass die Kunden der genossenschaftlichen Institute zu 60 Prozent auch Anteilseigner sind.

Dass es vor allem die Kreditwirtschaft ist, auf die die Landwirte nun setzen, ist auch dem Umstand geschuldet, dass die Dinge hierzulande anders laufen als in anderen EU-Ländern. Dort wäre die Dürre teilweise eher ein Fall für die Versicherungswirtschaft. Über eine Hagel-Versicherung würden viele Landwirte verfügen, gibt Stephan Gersteuer vom Bauernverband Schleswig-Holstein. Dennoch spielt eine Dürreversicherung in Deutschland bislang kaum eine Rolle.

Die Vereinigte Hagel ist nach eigenen Angaben Marktführer bei Versicherungen im Pflanzenbau. Gegen Starkregen, Sturm und Hagel haben Bauern nach Angaben eines Sprechers rund fünf Millionen Hektar bei ihr versichert. Das entspricht gut der Hälfte der gesamten Ackerfläche in Deutschland. Gegen Dürre wurden hingegen gerade einmal nur 500 Hektar versichert. Alle Versicherer zusammen sollen laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf 5000 Hektar kommen. Der Grund für den fehlenden Versicherungsschutz: die Höhe der Prämien. „Es steht nicht im angemessenen Verhältnis“, sagt Gersteuer beim Bauernverband.

Bei Dürre liegt die Prämie nach Angaben der Vereinigten Hagel bei drei bis neun Prozent des Versicherungswertes. Die genaue Zahl sei je nach Region und der versicherten Sorte sehr unterschiedlich, erklärte ein Sprecher des Versicherungsanbieters. Bei Hagel, Starkregen, Sturm und Starkfrost liegt die Prämie den Angaben zufolge mit gerade einmal einem Prozent deutlich darunter. In vielen EU-Staaten subventioniert die Politik daher Versicherungen, die sämtliche Wetterrisiken auffangen. Das Geld dafür stammt auch aus Töpfen der Europäischen Union.

Für die Bauern heißt es nun: abwarten. Der Bund will erst Ende August über zusätzliche Hilfen entscheiden. Die Rentenbank, das Förderinstitut der Landwirtschaft, hat ein Programm zur Liquiditätssicherung aufgelegt. Landwirte müssen ihrer Hausbank dafür Ernteeinbußen von 30 Prozent nachweisen.

Die große Rechnung dürfte aber erst noch kommen – und dann sind die Kreditinstitute gefragt: „Das Ausmaß ist noch gar nicht richtig abzusehen“, sagt André Santen, Sprecher der Förde Sparkasse in Kiel. Abgerechnet werde zum Schluss. So weist Santen darauf hin, dass die Hitze an manchen Stellen auch weniger Aufwand für die Landwirte bedeutet habe. Wie sich dies in der Gesamtrechnung auswirkt: Es ist unklar. Die Sparkasse appellierte an Landwirte vor allem ihre Liquiditätsplanung möglichst langfristig auszurichten. „Jetzt brauchen wir dringend Regen, damit der Mais auf den Feldern gerettet werden kann“, so Santen.

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