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Auslieferung von Mitarbeitern : Enthüllungen: VW soll Komplize der Militärdiktatur in Brasilien gewesen sein

vom
Aus der Onlineredaktion

Wie ein Geheimdienst soll der Werkschutz bei Volkswagen do Brasil operiert haben.

shz.de von
erstellt am 24.Jul.2017 | 14:02 Uhr

Wolfsburg/Sao Paulo | Volkswagen do Brasil ist eine Erfolgsgeschichte, die ihre Wurzeln bereits Anfang der 1950er Jahre geschlagen hat. Die ersten Käfer und Bullies liefen 1953 in Sao Paulo vom Band. Die Nachfrage nach den VW-Klassikern war schlaghaft riesig, es passte alles. Innerhalb weniger Jahre wurde VW zum größten Privatunternehmen des südamerikanischen Kontinents. Heute sind es allein in Brasilien vier Fertigungsstätten mit 22.000 Mitarbeitern. Dass die Machenschaften des Konzerns auch bei der brasilianischen Schwester nicht immer sauber waren, zeigen Berichte von NDR, SWR und Süddeutscher Zeitung, die ein Jahr lang an dem Thema recherchierten.

Demnach soll der Konzern aktive Mithilfe geleistet haben bei politischer Verfolgung durch die Miltärjunta, die zwischen 1964 und 1985 eine Schreckensherrschaft über das Land brachte. Der Werkschutz fungierte in den eigenen Fabrikhallen wie ein firmeneigener Geheimdienst und sorgte für die Aufdeckung von Regimegegnern. Mitarbeiter wurden ausgespäht und Oppositionelle aufgrund ihrer politischen Gesinnung an die berüchtigte Politische Polizei des brasilianischen Militärregimes übergeben. Wer zum Beispiel Kommunist war und sich beim Verteilen von Flugblättern verriet, der kam später in Folterhaft. Das bedeutete monatelange Misshandlung durch Elektroschocks, das Aufhängen an Stangen, Wasser, Tritte. Manchmal, berichtet ein Zeuge bei „Deutschlandfunk“ wurden sie in der Fabrik mehrere Wochen lang festgehalten.

Der Konzern, der neben dem Dieselskandal und dem Kartell-Skandal mit einem weiteren unrühmlichen Kapitel seiner Geschichte und Gegenwart konfrontiert wird, hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert. Es wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, heißt es. Die Bundesstaatsanwaltschaft in Sao Paulo ermittelt wegen Menschenrechtsverletzungen gegen den Wolfsburger Spross. Den zuständigen Gutachter zitiert „Deutschlandfunk“ wie folgt: „VW war ein verlängerter Arm der politischen Repression in Brasilien.“

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