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Radikalumbau beim Energieversorger : Energiewende sorgt für Rekordverluste bei Eon

vom

Tiefrote Zahlen bei Eon: Die Energiewende und der kommende Radikalumbau belasten den Versorger mit Milliarden, Jobs fallen weg. Auf Dauer soll der Konzern aber besser dastehen als die Konkurrenz.

shz.de von
erstellt am 11.Mär.2015 | 16:11 Uhr

Düsseldorf | Ein Radikalumbau für die Energiewende hat Deutschlands größten Versorger Eon tief in die roten Zahlen gerissen. Das Unternehmen schrieb im vergangenen Jahr unter dem Strich einen Rekordverlust von 3,2 Milliarden Euro, wie es am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte. Das ist der höchste Fehlbetrag seit der Gründung von Eon im Jahr 2000. Auf die Dauer werde man aber von dem Umbau erheblich profitieren, sagte Vorstandschef Johannes Teyssen. Während auf die Mitarbeiter empfindliche Jobkürzungen zukommen, werden die Kunden die angespannte Lage des Konzerns beim Strompreis nach Einschätzung des Managements wohl nicht zu spüren bekommen.

Das Unternehmen hatte Ende November angekündigt, sich als Reaktion auf die Energiewende 2016 aufzuspalten und dabei den gesamten Teil mit den Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken in eine neue Gesellschaft ausgliedern zu wollen. Der Hauptkonzern will sich künftig auf Geschäfte wie Ökostrom, Energienetze und den Vertrieb konzentrieren.

Hauptgrund für den gemeldeten Verlust war eine Bestandsaufnahme über den tatsächlichen Wert vieler Geschäfte. Das führte zu Abschreibungen von fast 5,5 Milliarden Euro vor allem auf Auslandskraftwerke - darunter Anlagen in Großbritannien, Schweden und Italien. Im Vorjahr hatte Eon einen Überschuss von 2,1 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Eon hat - ebenso wie RWE, Vattenfall oder EnBW - mit den Folgen der Energiewende zu kämpfen. Die Stromproduktion in Großkraftwerken wird unrentabler, weil sie wegen des Booms des subventionierten Ökostroms zunehmend aus dem Markt gedrängt wird. Viele konventionelle Anlagen sind deshalb kaum noch ausgelastet und müssen abgeschrieben werden.

Die geplante Neuaufstellung werde zwar einen „niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“ kosten, sagte Teyssen. Aber solche Kosten an Kunden weiterzureichen, sei wegen der harten Konkurrenz unmöglich: „Zu spenden für unseren Split - das sieht der Markt nicht vor.“ Eon hat bundesweit 6,1 Millionen Strom- und Gaskunden. Die Eon-Strompreise seien seit 2013 stabil, sagte Vorstand Bernhard Reutersberg. Zuletzt seien sie in Bayern und Sachsen-Anhalt sogar leicht gesenkt worden.

Erste Details wie die künftigen Firmensitze der ausgelagerten Gesellschaft und die Verteilung erster Vorstandsposten kündigte Eon für das zweite Quartal an. Das Jahr 2015 werde im Zeichen des Übergangs stehen. Als aussichtsreicher Standort für die neue Erzeugungsgesellschaft mit rund 20.000 Beschäftigten gilt Essen.

„Wir werden mit unserer neuen Aufstellung agiler und schlagkräftiger sein“, sagte Teyssen. Bislang gehen andere Unternehmen bei ihrem Umbau nicht so radikal vor wie Eon. RWE etwa hatte sich erst am Dienstag trotz anhaltender Talfahrt ausdrücklich zum Geschäft mit der klassischen Stromerzeugung im Gesamtkonzern bekannt.

2014 habe sich Eon angesichts der schwierigen Marktumstände und im Vergleich zu vielen Konkurrenten gut behauptet, sagte Teyssen. „Aber wir wollen mehr erreichen.“ Im laufenden Geschäft gab es 2014 weitere Rückgänge unter anderem wegen sinkender Strompreise. Der operative Gewinn (Ebitda) sackte um neun Prozent auf 8,3 Milliarden Euro ab. Dabei belastete auch das wichtige Russland-Geschäft wegen des Rubel-Verfalls.

Zudem ging der Ölpreis-Absturz nicht spurlos an dem Versorger vorbei, der zahlreiche Gasförderprojekte betreibt. So schmolz der um Sondereffekte wie die hohen Abschreibungen bereinigte Nettogewinn um fast ein Viertel auf 1,6 Milliarden Euro. Diese Kennzahl war lange Grundlage für die Dividendenausschüttung. Allerdings rückt Eon davon im Zuge des Umbaus ab. In diesem wie im kommenden Jahr will der Konzern seinen Aktionären stattdessen eine feste Ausschüttung von 50 Cent je Aktie zahlen.

Die wirtschaftliche Talfahrt dürfte sich 2015 fortsetzen. „Das wird ein ebenso hartes Jahr wie 2014, wenn nicht härter“, sagte Teyssen. „Aber wir werden schaffen, was wir uns vorgenommen haben.“ Er wage angesichts zahlreicher Risiken wie dem Ukraine-Konflikt, den niedrigen Zinsen und den unsicheren politischen Rahmenbedingungen für den deutschen Strommarkt nur eine vorsichtige Prognose. So soll das operative Ergebnis (Ebitda) auf 7,0 bis 7,6 Milliarden Euro sinken.

Auch hausgemachte Probleme wie wenig erfolgreiche Investitionen im Ausland halten Eon unter Druck. So ist etwa die Zukunft des einst als Hoffnungsträger gefeierten Brasilien-Geschäfts offen. Die dortige Beteiligung musste Ende 2014 Gläubigerschutz beantragen. Insgesamt sitzt der Konzern auf einem Schuldenberg von 33,4 Milliarden Euro. Weitere Belastungen für die Eon-Aktionäre seien aber „kaum“ noch vorstellbar, sagte Teyssen. Der Konzern habe entsprechende Vorsorge getroffen und wolle auch kein neues Geld mehr zuschießen.

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