Elefantenhochzeit

MeinFernbus: Mit 46 Prozent Marktanteil die Nummer Eins.
Foto:
1 von 3
MeinFernbus: Mit 46 Prozent Marktanteil die Nummer Eins.

MeinFernbus und FlixBus fusionieren / Branchenriese will Europa erobern / Nutzer befürchten höhere Preise

shz.de von
07. Januar 2015, 12:28 Uhr

Für Fernbus-Kunden wird die Auswahl kleiner: Die blauen FlixBus-Fahrzeuge werden umlackiert auf Grün, der Farbe des Marktführers MeinFernbus. Gemeinsam wollen sie die unangefochtene Nummer eins auf dem deutschen Markt formen. Und mehr als das: Die Start-up-Unternehmen aus Berlin und München nehmen gemeinsam Kurs auf Europa und wollen mehr Fahrten in die Nachbarländer anbieten. Denn in Deutschland zeigen sich nach einem zweijährigen Boom die Grenzen des Wachstums. Die Zeit sinkender Preise könnte für die Kunden vorbei sein.

Jedenfalls verspricht MeinFernbus nicht, dass die Fahrkarten noch billiger werden. „Genauso günstig wie bisher“, so die Parole des Unternehmens gestern, als der geplante Zusammenschluss zunächst den Beschäftigten bekanntgemacht wurde. Verbraucherschützer rechnen aber auch mit steigenden Tarifen und warnen vor einem Monopol. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer hatte schon vor Monaten deutlich gemacht, dass die ganz günstigen Angebote langfristig teurer werden. Der Branchenverband betont nun lediglich: „Der Fernbus wird dauerhaft günstigere Preise haben als alle Wettbewerber auf der Schiene, der Straße und in der Luft.“ Insgesamt waren im vergangenen Jahr knapp 11 Millionen Menschen mit FlixBus und MeinFernbus unterwegs. Das neue Unternehmen deckt damit gut die Hälfte des auf bis zu 20 Millionen Passagiere geschätzten Marktes ab. Der Marktführer umarmt also den aufstrebenden Konkurrenten, bevor der zu mächtig wird. Und kurz bevor FlixBus die schwarzen Zahlen erreichen will, was MeinFernbus nach eigenen Angaben schon gelungen ist. „Der Fernbus ist etabliert“, sagt Branchenverbandssprecher Matthias Schröter.

Aber das Feld ist übersichtlicher geworden. Der ADAC hat sich schon zurückgezogen, die Deutsche Post fährt den Postbus allein. Der britische Anbieter National Express nahm seinen deutschen Fernbusableger city2city aus dem Rennen, während der Offenbacher Pionier Deinbus eine Insolvenz überstanden hat und weiterfährt. Die Deutsche Bahn ist mit Berlinlinienbus und dem IC Bus am Start. „Es war zu erwarten, dass der Markt sich bereinigt“, sagt die Verkehrsexpertin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Marion Jungbluth. Sie hat allerdings Zweifel daran, dass das Bundeskartellamt ausgerechnet bei den Branchenführern den Zusammenschluss genehmigt.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen