Einmal im Jahr ist Zahltag

Angesichts historisch niedriger Zinsen für Tagesgeldanlagen sind Aktien inzwischen eine ernstzunehmende Anlage

shz.de von
05. April 2012, 03:59 Uhr

Hamburg | Gut 27 Milliarden Euro kassieren die Aktionäre der 30 im deutschen Aktienindex vertretenen Unternehmen in diesem Jahr. Das ist die zweithöchste Summe, die jemals ausgeschüttet wurde. Das Geld landet in Form von Dividenden auf den Konten der Aktionäre. Das sei "dumm und unverschämt" von den Aktionären, wetterte schon vor über 150 Jahren der deutsche Banker Carl Fürstenberg. Die Aktionäre seien "dumm, weil sie mir ihr Geld geben, und unverschämt, weil sie dafür auch noch Dividenden haben wollen".

Dass Dividenden den Anlegern unverschämt viel Geld einbringen können, hat der Bankier wohl lieber für sich behalten. Studien zeigen, dass langfristig die Ausschüttungen bis zu zwei Drittel der Erträge in einem Aktiendepot ausmachen können.

"In der aktuellen Situation sind dividendenstarke Titel vielen Anleihen überlegen", sagt Lothar Koch, unabhängiger Finanzberater in Langballig. So beträgt die durchschnittliche Dividendenrendite bei den Dax-30-Unternehmen auf Basis der Gewinne vom Vorjahr stolze 3,7 Prozent. Das schafft derzeit kaum eine andere Anlageform. Kleinere börsennotierte Unternehmen aus der zweiten Reihe, dem sogenannten M- oder S-Dax, kommen bisweilen sogar auf Dividendenrenditen von fast neun Prozent. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen lohnt es sich also erst recht, dividendenstarke Titel genauer unter die Lupe zu nehmen.

Doch Vorsicht: Die Dividende sollte nicht das einzige Auswahlkriterium für eine Aktie sein. Da sich die Rendite aus dem Verhältnis der gezahlten Dividende zum aktuellen Kurs der Aktie berechnet, steigt die Rendite mit wachsender Ausschüttung, aber auch mit fallendem Kurs. Im Gegensatz dazu fällt die Dividendenrendite, wenn der Aktienkurs steigt. In diesem Fall profitieren Anleger bei einem Verkauf der Aktie von den bereits gezahlten Dividenden und dem Kursgewinn.

Anleger sollten nur auf Firmen setzen, die über einen längeren Zeitraum eine steigende oder zumindest gleich bleibende Dividende gezahlt haben. Diese haben beweisen, dass sie konstant Gewinne erwirtschaften, aus denen sie die Dividende zahlen. Unternehmen, die auf Rücklagen zurückgreifen, um die Aktionäre zufriedenzustellen, werden auf Dauer keinen Erfolg haben.

Solange das Geschäft läuft, macht sich der Aktionär unabhängig vom Kurs. "Selbst wenn die Kurse sinken, bleibt dem Anleger noch die Dividende", erklärt Heiko Löschen von der Vermögensverwaltung Packenius Mademann & Partner in Hamburg. Bei einer regelmäßigen Ausschüttung von vier Prozent in fünf Jahren könnte der Kurs um 20 Prozent fallen, ohne dass der Anleger real Geld verliert. "Das kann man von Staatsanleihen nicht behaupten", so Löschen. Anleger müssten daher umdenken. "Die scheinbar risikoreiche Aktie ist manchmal die konservativere Anlage". Und: Sie bietet einen gewissen Schutz vor einer Inflation.

Wer nur an der Ausschüttung interessiert ist, kann sich kurzfristig dividendenstarke Aktien ins Depot holen. Entscheidend ist dabei nicht, wie lange man die Aktie besitzt, sondern nur, dass man sie am Tag der Hauptversammlung im Depot hat. Am Tag der Ausschüttung sinkt der Kurs der Aktie dann um den Dividendenabschlag. Dieser Verlust wird in der Regel in den folgenden Tagen wieder aufgeholt.

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