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Eine spektakuläre Pirouette

vom

Wirbel bei Besetzung des Aufsichtsrats der Lufthansa / Mayrhuber verzichtete zunächst auf Kandidatur, ließ sich wenig später aber umstimmen

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Frankfurt | Rolle rückwärts bei der Lufthansa: Einen Tag vor der Hauptversammlung zog ihr früherer Chef Wolfgang Mayrhuber (Foto) erst überraschend seine Kandidatur für den Aufsichtsrat zurück. Gut zehn Stunden später entschied er sich dann aber, doch für das Kontrollgremium zu kandidieren.

Der 66-jährige frühere Vorstandsvorsitzende hatte nach Kritik aus Aktionärskreisen erklärt, dass er für das Amt des Aufsichtsratschefs nicht zur Verfügung stehe, wie das Unternehmen gestern in einer Pflichtmitteilung für die Börse mitteilte. Dann muss es gelungen sein, sowohl Kritiker als auch Mayrhuber umzustimmen. In einer weiteren Pflichtmitteilung erklärte das Kontrollgremium am Abend: "Nach der heutigen Bekräftigung des Wunsches zur Kandidatur Wolfgang Mayrhubers durch den Aufsichtsrat sowie der Ankündigung wichtiger Investoren, für Wolfgang Mayrhuber zu stimmen, hat Herr Mayrhuber sich bereit erklärt, an seiner Kandidatur zur Wahl in den Aufsichtsrat unverändert festzuhalten." Während sich inländische Investoren an Fehlentscheidungen Mayrhubers aus seiner Zeit an der Unternehmensspitze störten, kritisierte die US-Beratungsgesellschaft Institutional Shareholder Services (ISS) vor allem die Vielzahl der Aufsichtsratsmandate des Österreichers, der unter anderem die Dax-Konzerne Infineon, BMW und Munich Re beaufsichtigt. Weiterhin störte sich ISS an der aus ihrer Sicht zu kurzen "Abkühlzeit" zwischen Vorstandsposten und Kontrolltätigkeit und riet ihren Kunden - meist große Fondsgesellschaften und andere institutionelle Anleger - zum "Nein" für den Personalvorschlag.

Mayrhuber soll nach zehn Jahren dem scheidenden Chefaufseher Jürgen Weber folgen, hatte der Aufsichtsrat vorgeschlagen.

Der Österreicher wird aber für strategische Fehler und verlustreiche Zukäufe in seiner Zeit als Vorstandschef in den Jahren 2003 bis 2010 verantwortlich gemacht. Den aktuellen Sparkurs mit harten Einschnitten auch beim Personal könnte Mayrhuber deshalb nicht glaubwürdig vertreten, hatten Kritiker argumentiert.

Die genossenschaftliche Fondsgesellschaft Union Investment hatte gestern in Frankfurt bestätigt, dass sie gegen Mayrhuber gestimmt hätte. "Herr Mayrhuber ist persönlich absolut integer, verkörpert für uns aber zu stark die alte Lufthansa. Er steht für eine übertriebene Internationalisierung und fehlerhafte Zukäufe, wobei notwendige Investitionen in die Flotte vernachlässigt wurden", sagte Fondsmanager Ingo Speich gestern.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hielt hingegen den Vorwurf der Ämterhäufung nicht für stichhaltig. Es sei geplant gewesen, dass Mayrhuber seinen Posten bei Infineon aufgebe, erklärte DSW-Sprecher Jürgen Kurz. Die konzerninternen Mandate seien ohnehin weniger problematisch, so dass die DSW Mayrhuber gewählt hätte.

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