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Eine Sparkasse in Kapitalnot

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sparkasse Südholstein braucht dringend frisches Geld, um in Zukunft bestehen zu können

Er tut genau das, was jeder neue Firmenchef als erstes macht: Die Bilanzleichen aus dem Keller holen und mit eisernem Besen alle Risiken aus den Ecken fegen – um auf sicheren Füßen in die Zukunft zu schreiten. Ob Andreas Fohrmann (Foto) das aber gelingt, ist keinesfalls sicher. Der seit Januar amtierende neue Vorstandschef der Sparkasse Südholstein steht vor einem Berg von Problemen. Er soll eine ertragsschwache Sparkasse flott machen – mit Personalabbau, Kostenreduzierungen und Effizienzsteigerungen. Und er soll gleichzeitig dafür sorgen, dass die viertgrößte Sparkasse des Landes in den kommenden Jahren ausreichend kapitalisiert ist, um die steigenden Eigenkapitalanforderungen nach Basel III zu erfüllen. Dabei allerdings holen ihn die Fehler und Probleme der Vergangenheit ein.

Erstmals sorgte die Sparkasse Südholstein 2009 für Negativ-Schlagzeilen. Nach jahrelangen, schwachen Erträgen, nach Fehlspekulationen und hohen Belastungen aus der Finanzmarktkrise 2007/2008 war das Kreditinstitut am Ende und musste mit 100 Millionen Euro gerettet werden. Ein Sanierungsplan wurde aufgelegt, um Risiken zu reduzieren. Der Vorstand wurde neu besetzt. Geholfen hat das nicht. Die Ziele des Sanierungsplans wurden vom neuen Vorstandschef Ralph Schmieder nicht erreicht. Kostensenkungsmaßnahmen wurden verschoben, stattdessen das margenschwache Privatkundengeschäft ausgebaut. Die Ergebnisse der Sparkasse blieben mager. Hinzu kamen 2012 Abschreibungen von 40 Millionen Euro auf Verbundbeteiligungen – vor allem für die HSH Nordbank. Folge: 2013 musste die Sparkasse erneut mit 60 Millionen Euro gestützt werden. Ein neuer Sanierungsplan wurde erstellt, mit dem eine nachhaltige Verbesserung des Betriebsergebnisses und deutliche Kostensenkungen bis zum Jahr 2018 erzielt werden sollen. So ist es nach Informationen unserer Zeitung Ziel, das Betriebsergebnis von 19 Millionen Euro aus dem Jahr 2012 auf 40 Millionen Euro im Jahr 2018 zu steigern. Dafür müssen die Kosten gesenkt werden. Erste Maßnahmen: 130 Stellen wurden gestrichen, Filialen geschlossen und Andreas Fohrmann als neuer Vorstandschef angeheuert.

Fohrmanns größtes Problem allerdings ist die Kapitalseite. Ein Nachrangdarlehen in Höhe von 50 Millionen Euro hat die Haspa Finanzholdung im Zuge der Stützung 2009 eingebracht, das Ende 2016 zurückgezahlt werden muss. Wie, ist völlig unklar. „Wir werden unseren Verpflichtungen nachkommen“, heißt es dazu lapidar bei der Sparkasse. Diese 50 Millionen Euro sind wohl der Grund, warum die Sparkasse Südholstein jetzt nach einer neuen Kapitalspritze von rund 30 Millionen Euro ruft. Weiterer Kapitalgeber ist die Förde Sparkasse aus Kiel mit stillen Einlagen von 20 Millionen Euro, die 2019 fällig werden. Hinzu kommen insgesamt 100 Millionen Euro stille Einlagen des Sparkassen- und Giroverbandes aus den Stützungsmaßnahmen sowie eine Ausfallbürgschaft des Stützungsfonds von 30 Millionen Euro, die ab 2018 zurückgezahlt werden muss.

Wie angespannt die Lage der Sparkasse Südholstein ist, verdeutlicht eine andere Zahl: Ende vergangenen Jahres hatte das Institut nach Informationen unserer Zeitung auf stille Einlagen der Förde Sparkasse und des Sparkassenverbandes Zinsrückstände von gut drei Millionen Euro. Ein gesundes Kreditinstitut sieht anders aus.

Der alte Vorstandschef Ralph Schmieder verlässt die Sparkasse in Kürze. Sein Nachfolger Andreas Fohrmann soll es richten. Seine Aufgabe ist es, die Sparkasse zu retten, sie ertragsstark zu machen, das operative Geschäft auszubauen und gleichzeitig die Kosten zu senken, die massiven Kapitalprobleme zu lösen, den knapp 1000 Mitarbeitern zumindest überwiegend ihren Arbeitsplatz zu retten und die Zukunft zu sichern. Ausgang – offen.

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erstellt am 08.Mai.2014 | 13:28 Uhr

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