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Ein Seekabel für die Energiewende

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ministerpräsident Albig lotet in Oslo Chancen für zügigen Bau des Nordlink-Kabels aus / Stromtrasse durch die Ostsee soll 2018 fertig sein

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2014 | 13:56 Uhr

Norwegen ist bekannt für seine atemberaubenden Fjorde und attraktiven Wintersportgebiete. Weniger bekannt ist, dass das 5,2 Millionen Einwohner große Königreich Europa zuverlässig mit Erdgas und Erdöl versorgt. Gut möglich, dass die Skandinavier künftig sogar zum wichtigsten Partner bei der Umsetzung der deutschen Energiewende werden.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat seinen Besuch in Norwegen Anfang der Woche dazu genutzt, die Chancen für einen zügigen Bau des Nordlink-Kabels auszuloten. Das Seekabel soll überschüssigen Windstrom aus Schleswig-Holstein nach Norwegen transportieren. Mit dem Strom wird Wasser in riesige, natürliche Wasserspeicher in den norwegischen Bergen gepumpt, um dann – wenn in Deutschland kein Wind weht – große Turbinen anzutreiben. Deren Stromproduktion soll dann per Kabel nach Deutschland zurückgeleitet werden. Damit wird sichergestellt, dass auch in windschwachen Zeiten das Licht in Schleswig-Holsteins Häusern nicht ausgeht und energieabhängige Industriebetriebe – etwa rund um Brunsbüttel – ihre Produktion nicht unterbrechen müssen. Die Pläne für Nordlink sind schon weit fortgeschritten. „Ich freue mich, dass Norwegens Energieminister Tord Lien und Statnet uns gegenüber bekräftigt haben, dass die Planungen für das rund 600 Kilometer lange Kabel im Zeitplan sind und das Projekt bis 2018 realisiert werden kann“, erklärte Albig nach dem Tête-à-Tête in Oslo. Er sei zuversichtlich, „dass das Planfeststellungsverfahren im Juni abgeschlossen ist“, so die offizielle Stellungnahme von Albig.

Ganz so reibungslos läuft die Sache allerdings nicht. Auch die Briten haben Interesse am Strom aus norwegischen Pumpspeicherwerken. Im Wettlauf um die Energie aus dem hohen Norden spielt nicht nur Geld – die Investitionskosten belaufen sich auf bis zu zwei Milliarden Euro – eine entscheidende Rolle. „Die Norweger würden uns auch liebend gern mehr von ihrem Gas verkaufen“, räumt der Ministerpräsident ein. Sollte es nämlich mit Nordlink nichts werden, müssten in Deutschland zusätzliche Gaskraftwerke gebaut werden, um windarme Zeiten zu überbrücken und die Energieversorgung nicht mit dreckigem Strom aus Stein- oder Braunkohlewerken zu garantieren. Von den Verhandlungen mit den Norwegern hängt deshalb viel ab. „Wird ‚Nordlink‘ gebaut, gibt das der Energiewende einen Schub“, ist sich Albig sicher, komme das Kabel deutlich später als geplant, „bremst das die Energiewende aus“. Verhandlungspartner ist zwar der Bund, doch Albig nutzte den Oslo-Besuch anlässlich der Feierlichkeiten zum 200 Jahrestag des Kieler Friedens und der norwegischen Verfassung, um in Sachen Nordlink bei den Norwegern gute Stimmung zu machen und auszuloten, wie die Chancen für Deutschland im Wettlauf mit Großbritannien stehen. Bundesenergieminister Sigmar Gabriel (SPD), mit dem Albig zuletzt wegen der Windkraftförderung mächtig über Kreuz lag, wird die Einschätzung seines schleswig-holsteinischen „Unterhändlers“ sicher stark interessieren.

Selbst wenn das bilaterale Projekt endgültig in trockenen Tüchern ist, sind auf deutscher Seite längst noch nicht alle Probleme ausgeräumt. Das Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungskabel (HGÜ), das über eine Kapazität von 1400 MW verfügt, muss nämlich auf einer Länge von 30 Kilometern durch den Nationalpark Wattenmeer verlegt werden.

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