Hitze und Trockenheit : Dürre auf den Feldern: Müssen Verbraucher die Zeche zahlen?

Getreideähren stehen auf einem Feld in Giessen. In vielen Regionen war das Wetter in diesem Frühjahr zu trocken.
Getreideähren stehen auf einem Feld in Giessen. In vielen Regionen war das Wetter in diesem Frühjahr zu trocken.

In vielen Regionen Deutschlands leidet die Landwirtschaft unter Hitze und Trockenheit. Die Getreideernte droht schlecht auszufallen, auch Kühe geben weniger Milch. Werden nun auch Brot und Quark teurer?

shz.de von
07. Juli 2018, 10:11 Uhr

Das in Teilen Deutschlands über viele Wochen sehr trockene und heiße Wetter belastet zwar die Landwirte. Verbraucher müssen sich nach Einschätzung von Experten aber vorerst nicht auf steigende Preise für Brot, Bier, Quark oder Milch einstellen.

«Der Anteil des Getreidepreises am Produktpreis für Backwaren bewegt sich im einstelligen Prozentbereich», sagt Herbert Funk, Agrarmarktreferent bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Und auch, wenn wegen des Wetters die Kühe in einigen Regionen weniger Milch geben, werde sich das erst einmal nicht im Supermarkt bemerkbar machen, sagt Björn Börgermann vom Milchindustrieverband: «Im Grunde genommen ist die Milchproduktion auf einem ähnlichen Niveau wie in den Vorjahren. Ein deutlicher Rückgang lässt sich deutschlandweit noch nicht feststellen.»

GETREIDE: Im Norden und Nordosten Deutschlands klagen die Landwirte über zu trockenes Wetter. Die Ernte musste früher beginnen, obwohl die Körner in vielen Fällen noch nicht ausreichend gereift und damit zu klein sind. Laut Bauernverband liegt die Ernte mit 41 Millionen Tonnen unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

«Wir haben nicht nur in Norddeutschland Trockenheit, sondern im ganzen baltischen Raum, in Osteuropa, in der Schwarzmeerregion», sagt Funk. Erstmals seit etwa fünf Jahren werden die weltweiten Getreide-Bestände abnehmen. Dennoch drohe keine Knappheit. Er rechne damit, dass die Weltmarktpreise steigen werden, aber nicht sehr stark.

MEHL: Deutsche Mühlen beziehen ihr Getreide zu 95 Prozent aus Deutschland, sagt Peter Haarbeck, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Mühlen. Auch wenn die Ernte in einigen Teilen Deutschlands schlecht bis katastrophal werde, würden die Mühlen ihre Rohstoffe bekommen. Allerdings werde der Aufwand größer, Getreide in der gewünschten Qualität zu bekommen. «Und ein Aufwand im Unternehmen hat Auswirkungen auf die Kosten.» Es gebe also Indizien, dass Mehl teurer werden könnte.

BROT: Ob sich die schlechte Getreideernte in Deutschland auf die Brotpreise auswirkt, kann der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks nicht beantworten. Der Mehl- beziehungsweise Getreideanteil in Backwaren sei von Produkt zu Produkt unterschiedlich. Preiserhöhungen seien von vielen Faktoren abhängig und könnten von Unternehmen zu Unternehmen variieren, sagt Mathias Meinke für den Zentralverband.

MILCHVIEH: Auch viele Milchbauernhöfe in Norddeutschland leiden unter dem heißen und trockenen Wetter. Das von den Wiesen gemähte Grünfutter sei nicht so gehaltvoll und nährstoffreich wie eigentlich notwendig, sagt Mathias Klahsen, Referent bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Die Situation sei aber regional sehr unterschiedlich. Allerdings verringere sich bei Temperaturen über 18 Grad auch die Milchleistung der Kuh. Die Landwirte müssten also mit geringeren Erträgen und höheren Futterkosten kalkulieren. Allerdings gibt es auch Regionen in Deutschland, die diese Trockenheitsprobleme nicht haben, betont Verbands-Sprecher Börgermann.

MILCHPREISE: Preise für Butter sind derzeit relativ hoch, weil die Nachfrage nach diesen Produkten gut ist, erklärt Andreas Gorn von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) in Bonn. Für Butter ändere sich der Preis relativ häufig. Die Preise für Trinkmilch und Frischmilchprodukte werden mit den Erzeugern in halbjährlichen oder jährlichen Kontrakten festgeschrieben. Experten gehen davon aus, dass zum Herbst hin die Milchpreise wieder steigen werden, vor allem wegen der starken Nachfrage nach Butter. Preissteigerungen wegen geringerer Milchmengen sind derzeit nicht absehbar.

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