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Illegales Austricksen von Emissionstests : „Dieselgate ist überall“: Audi-Betrugssoftware auch in Deutschland

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VW-Tochter Audi wurde vom Verkehrsministerium nun auch in Deutschland mit illegaler Software erwischt. Das Image leidet.

shz.de von
erstellt am 02.Jun.2017 | 15:03 Uhr

Berlin | Die Münchner Staatsanwaltschaft weitet ihre Betrugs-Ermittlungen gegen Audi in der Diesel-Affäre nach neuen Vorwürfen aus. Dabei geht es nun auch um Fahrzeugverkäufe in Deutschland und Europa, nicht nur wie bisher in den USA. „Wir haben das jetzt erweitert“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München II am Freitag. Mitte März hatte die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung bei der Ingolstädter VW-Tochter eingeleitet. Dabei ging es zunächst nur um Abgas-Manipulationen in den USA.

Bei allen Ermittlungen gibt es einen gemeinsamen Nenner: Angebliche Abschalteinrichtungen und Diesel-Motoren. Die Diesel-Technik gerät dadurch immer stärker in die Image-Krise. „Es sieht so aus, als wären wir am Anfang von Ende des Diesels“, sagt Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Immer mehr Unregelmäßigkeiten bei immer mehr Autobauern zeigten, dass Glaubwürdigkeit und Vertrauen in die Autoindustrie auf Null schrumpfe. „Es gibt nicht ein Dieselgate - Dieselgate ist überall.“

Das Verfahren läuft weiter gegen Unbekannt, wie der Ermittler weiter sagte. Konkrete Beschuldigte im aktiven oder ehemaligen Audi-Management gibt es nicht. Ein Ende der Ermittlungen sei bisher nicht absehbar. Bundesverkehrminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte am Vortag bekannt gegeben, dass Audi eine „unzulässige Abgas-Software“ in den Oberklasse-Modellen Audi A8 und A7 mit V6- und V8-Dieselmotoren verwendet habe.

Dabei geht es um eine sogenannte Lenkwinkelerkennung. Diese sorgt dafür, dass die Autos im normalen Fahrbetrieb auf der Straße deutlich mehr Stickoxide (NOx) ausstoßen als auf dem Prüfstand und die Grenzwerte überschreiten. Stickoxide gelten als gesundheitsschädlich.

Im Herbst 2015 war der VW-Abgasskandal ans Licht gekommen, die Affäre hat ihren Ursprung in den USA. Daraufhin waren Nachprüfungen bei Autoherstellern eingeleitet worden. Audi-Chef Rupert Stadler hatte erst im März gesagt, bei Audi alles auf den Prüfstand zu stellen. Audi will mit dem Rückruf der rund 24.000 betroffenen Fahrzeuge voraussichtlich im Juli beginnen, wie das Unternehmen am Vortag erklärt hatte. 14.000 dieser Autos sind in Deutschland zugelassen, der Rest in anderen europäischen Ländern. Bis zum 12. Juni sollen laut Lösungsvorschläge zur Umrüstung übermittelt werden. Der Bund will nun weitere Fahrzeuge des VW-Konzerns mit ähnlichen Motoren untersuchen lassen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kommentierte die Ausweitung des Abgas-Skandals mit den Worten: „Ich erwarte von allen Autoherstellern, dass sie sich endlich ehrlich machen.“ Die deutschen Hersteller sollten ihre technologische Kompetenz in die Entwicklung von umweltfreundlicheren Fahrzeugen stecken und nicht „auf Tricksereien richten“. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte, der Dieselskandal müsse lückenlos und konsequent aufgearbeitet werden.

Die Deutsche Umwelthilfe forderte Konsequenzen: „Allen betroffenen Fahrzeugen muss die Typzulassung entzogen werden“, sagte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Audi solle neue Typzulassungen für diese Dieselautos nur bekommen, wenn die Wagen nachgerüstet werden. Wagen der Oberklasse seien trotz ihres hohen Preises „besonders schmutzig“, kritisierte Resch. Technisch sei die Einhaltung der Abgaswerte kein Problem. „Es ist eigentlich unglaublich, dass ausgerechnet bei Fahrzeugen, die in der Preisspitze liegen, wegen ein paar hundert Euro Einsparung die Abgaswerte manipuliert werden.“

Auch diverse andere Hersteller stehen inzwischen unter Verdacht des Abgas-Betrugs. Zuletzt eröffnete die US-Regierung einen Rechtsstreit gegen Fiat Chrysler, US-Marktführer General Motors wurde von Dieselbesitzern verklagt. Auch auf den deutschen Branchenriesen Daimler hat die US-Justiz ein Auge geworfen, zudem durchsuchte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft kürzlich mehrere Standorte in Deutschland. In Frankreich wird gegen Renault und die PSA Group mit den Marken Peugeot und Citroën ermittelt.

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