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VW stoppt Verkauf in den USA : Diesel-Skandal: VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh fordert Konsequenzen

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Der Schummel-Skandal bei VW-Dieselfahrzeugen in den USA lässt dem Konzern keine andere Wahl: Die Wolfsburger setzen den Verkauf der fraglichen Autos bis auf weiteres aus. Anleger reagieren entsetzt.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh fordert im Skandal um manipulierte Abgastests in den USA ein entschiedenes Durchgreifen auch innerhalb des Konzerns. „Das muss jetzt mit aller Konsequenz und Offenheit aufgeklärt werden; und wir müssen Konsequenzen daraus ziehen“, sagte er dem Magazin „Stern“. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Volkswagen hat Manipulationen von Abgastests bei Diesel-Fahrzeugen in den USA eingeräumt. „Die Manipulation an der eingesetzten Software hat es gegeben“, sagte ein Sprecher des Konzerns am Sonntag in Wolfsburg. VW-Chef Martin Winterkorn kündigte die Aufklärung des Skandals an.

Osterloh, der als einer der mächtigsten Männer bei Volkswagen auch Mitglied des Aufsichtsrats ist, äußerte sich am Montag geschockt über die Vorwürfe und forderte: „Wir müssen verloren gegangenes Vertrauen bei unseren Kunden zurückgewinnen.“ Vor allem Konzernchef Martin Winterkorn stehe dabei nun in der Pflicht.

Im Skandal um manipulierte Abgastests muss VW die Notbremse ziehen. Vorerst wird der Verkauf von Diesel-Autos mit Vierzylinder-Motoren in den USA gestoppt. Ein Sprecher des Konzerns bestätigte am Montag entsprechende Medienberichte. Betroffen seien aktuelle Modelle der Marken VW und Audi. Volkswagen werde bis auf weiteres auch keine Gebrauchtwagen dieser Typen verkaufen.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Abgas-Manipulationen des Volkswagen-Konzerns in den USA scharf krisiert. Der Vizekanzler geht aber von keinem nachhaltigen Schaden für die deutsche Industrie insgesamt aus. „Dass das ein schlimmer Vorfall ist, ist, glaube ich, klar“, sagte Gabriel am Montag in Berlin. 

Natürlich gebe es Sorge, dass der berechtigte, exzellente Ruf der deutschen Automobilindustrie und vor allem von Volkswagen darunter leidet: „Ich bin aber sicher, dass das Unternehmen schnell und restlos den Fall aufklären und die denkbar eingetreten Schäden wieder gut machen wird.“

Der Fall sei aber nicht typisch. „Der Begriff “Made in Germany„ ist weltweit ein Qualitätsbegriff.“ Deshalb müsse schnell aufgeklärt werden: „Aber ich glaube nicht, dass das ein dauerhafter und prinzipieller Schaden für die deutsche Industrie ist.“ Gabriel sprach sich dafür aus, Messfehler oder Manipulationen vielleicht einmal insgesamt zu überprüfen.

Die Börse reagierte zum Beginn der neuen Handelswoche prompt auf den Skandal: Die VW-Vorzugsaktie brach am Morgen in Frankfurt um bis zu 19 Prozent ein. Analysten und Händler zeigten Unverständnis und Ungläubigkeit angesichts des Eingeständnisses von Volkswagen, mit Hilfe einer Software die Resultate von Abgastests bei Diesel-Autos in den USA geschönt zu haben.

Bei der US-Umweltbehörde EPA läuft eine Untersuchung gegen den Konzern unter anderem wegen des Verstoßes gegen das Klimaschutzgesetz „Clean Air Act“. Dem Dax-Unternehmen drohen daher schlimmstenfalls Strafzahlungen von mehr als 18 Milliarden Dollar und ein nicht abzuschätzender Imageschaden - nicht nur auf dem chronisch schwächelnden US-Markt, wo VW bisher enttäuschend abschneidet.

VW-Chef Martin Winterkorn kann nach Meinung von Autofachmann Ferdinand Dudenhöffer angesichts des Abgas-Skandals nicht im Amt bleiben. Winterkorn, in dessen Verantwortung auch die konzernweite Forschung und Entwicklung falle, habe entweder von den Manipulationen gewusst oder aber er sei ahnungslos und habe seinen Geschäftsbereich nicht im Griff, sagte der Direktor des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen.

Hintergrund: Abgaswerte in Europa

In Europa werden die Auto-Abgaswerte nach Angaben des TÜV Süd bereits während der Produktion streng überwacht. „Da gibt es klare Regeln“, sagte ein Sprecher am Montag in München. Für alle Fahrzeuge, die in der EU zugelassen werden sollen, müssten die Hersteller externe Kontrollen sicherstellen. „Die Fahrzeuge werden nach dem Zufallsprinzip vom Band genommen und nachkontrolliert“, sagte er. Allein der TÜV Süd nehme pro Jahr mehr als tausend dieser Kontrollen vor.

Der TÜV Süd mit Sitz in München  ist mit einem Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro und mehr als 20.000 Beschäftigten eine der größten Prüforgansiationen der Welt.  Vor allem international wächst das Unternehmen seit Jahren. 

 

Die Wolfsburger hatten auf dem nach China weltgrößten Automarkt etwa der Nachfrage nach leichten offenen Kleintransportern (Pick-ups) lange nichts entgegenzusetzen. Sie fuhren dort bislang vielen Konkurrenten hinterher.

Das wichtigste VW-Modell in den USA ist weiterhin der Jetta Sedan. Im August brachen die Verkäufe für das Modell nach dreimonatigem Aufwärtstrend um knapp 18 Prozent auf gut 11.000 Exemplare ein. Die Zahl der verkauften Autos insgesamt sank im Jahresvergleich um 8,1 Prozent auf rund 32.300 Stück. Im Gesamtjahr liegt VW dort mit 238.000 verkauften Autos bisher 2,8 Prozent unter dem Vorjahreswert. Bis 2018 erhofft sich der Konzern einen Absatz von bis zu 800.000 Fahrzeugen.

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erstellt am 21.Sep.2015 | 13:52 Uhr

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