Dienstleister schaffen Tausende Jobs im Norden

In diesem Jahr gibt es 37 000 neue Stellen – nächstes Jahr etwa 22 500

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02. Dezember 2014, 12:18 Uhr

Norddeutschlands Dienstleister bleiben auch bei abflauender Konjunktur Musterknaben der regionalen Wirtschaft. Im laufenden Jahr hat die Branche in den Küstenländern 37 000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Das ergab eine Befragung durch den Unternehmensverband AGA und die Wirtschaftsauskunftei Creditreform Hamburg. Der Jobzuwachs übertreffe die ohnehin optimistischen Erwartungen um rund die Hälfte, freute sich AGA-Präsident Hans Fabian Kruse gestern bei der Vorstellung der Konjunkturstudie DiNo 2014.

Die Branche umfasst die gesamte Bandbreite unternehmensnaher Dienstleistungen, von IT über Marketing und Medien bis zu Brokern, Reedereien und Laboren. In Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern bringen es knapp 170 000 Firmen auf 185 Milliarden Euro Umsatz und 1,5 Millionen Mitarbeiter.

Während in anderen Sektoren der heimischen Wirtschaft trübe Aussichten vorherrschen, erwarten die Nord-Dienstleister auch 2015 weiteres Wachstum, wenn auch ein gebremstes. Laut Firmenbefragung werden die Umsätze um 2,4 Prozent zulegen, die Zahl der Jobs soll um 22 500 steigen. Am dynamischsten ist die Entwicklung in der Handelsmetropole Hamburg mit einem Umsatzplus von 4,0 Prozent in diesem Jahr (Norddeutschland: 2,9 Prozent) und geschätzt 3,2 Prozent im nächsten.

In Schleswig-Holstein fallen die Zuwächse etwas geringer aus: 2014 stieg der Umsatz um drei Prozent, für 2015 erwarten die Firmenchefs ein Plus von 2,7 Prozent. Der Personalbestand der Branche im Land zwischen den Meeren soll im kommenden Jahr um 1,4 Prozent anwachsen – nach 2,3 Prozent in diesem Jahr. Das bedeutet absolut rund 5000 Stellen in 2014, aber nur noch rund 1900 Jobs in 2015. In Schleswig-Holstein sind 28 000 Dienstleistungsunternehmen mit 355 000 Mitarbeitern registriert, die Umsätze summieren sich auf 72 Milliarden Euro.

Gerade in Zeiten des Abschwungs dürfe die Politik der Wirtschaft keine zusätzlichen Lasten aufbürden, so Kruse. Als solche sieht der Verband neben dem bürokratischen Mehraufwand für den Mindestlohn auch die Rente mit 63. Immerhin knapp drei Prozent der Beschäftigten bei Nord-Dienstleistern könnten sich dank der Reform bis 2016 vorzeitig in den Ruhestand verabschieden. In Schleswig-Holstein haben dieses Jahr absolut 2300 Mitarbeiter ( 1,04 Prozent aller Mitarbeiter der Dienstleistungsbranche in Schleswig-Holstein), die unter 65 sind, Rente beantragt. Bis Ende 2016 können rund 9000 Mitarbeiter ( 4,1 Prozent) in „Rente mit 63“ gehen. Die norddeutsche Wirtschaft könne sich einen solchen „Ausverkauf hochqualifizierter Mitarbeiter“ nicht leisten, warnte Kruse. „Wir verfrührenten Fachkräfte, die wir dringend brauchen.“

Zugleich sei Deutschland dabei, in Sachen schneller Internetverbindungen international den Anschluss zu verlieren, mahnte Creditreform-Chef Nikolaus von der Decken. „Ohne einen massiven Ausbau der Breitbandanschlüsse sind unsere Firmen nicht länger konkurrenzfähig.“ Von der Decken fordert vom Bund, schnell für die nötige Glasfaser-Infrastruktur zu sorgen, gerade auf dem „flachen Land“.

An der Umfrage im unternehmensnahen Dienstleistungssektor, die im Oktober 2014 durchgeführt wurde, haben sich mehr als 1000 Unternehmen beteiligt, die einen repräsentativen Durchschnitt der 167 518 Betriebe in Norddeutschland bilden.

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