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Wirtschaft

19. August 2017 | 15:32 Uhr

Die Rechnung, bitte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

An der Geschichte aus der Feder eines Schriftstellers stimmt kein Wort, dennoch hat sie einen wahren Kern: Im Schutz tiefster Dunkelheit öffnet sich an manchen Abenden eine versteckte Tür in der den Vatikan vor der Außenwelt schützenden Mauer. Ein älterer Mann tritt heraus, eilt in eine nahe Trattoria, bestellt sich ein Bier, gibt eine Runde aus und verabschiedet sich freundlich, aber ohne zu zahlen. Warum er das dulde, fragt jemand den Wirt, und der antwortet: Es ist doch der Papst. Der gegenwärtige Heilige Vater würde vermutlich zahlen, aber er ist eine Ausnahme. Hochgradige Prominente sind meistens ohne Portemonnaie unterwegs. Da sie selten allein einkehren, gehen sie davon aus, dass sie von irgendjemandem eingeladen worden sind. Nur selten ergibt sich daraus eine peinliche Situation wie neulich in Paris, als Außenminister Steinmeier beim Verlassen des Lokals von der Wirtin darauf aufmerksam gemacht wurde, dass er im Begriff stehe, zum Zechpreller zu werden. Natürlich war es ein Missverständnis, jemand aus der Entourage zückte die Brieftasche.

Zieht wirklich einmal eine Kanzlerin nach dem Einkauf an der Kasse die Geldbörse, dann wird aus der Selbstverständlichkeit sogleich eine mittelprächtige Sensation, und der Schnappschuss landet im Boulevard-Blatt. Man könnte den Eindruck gewinnen, es wäre ehrenrührig, wenn jemand dienstlich mit Milliarden hantiert und privat in der Börse nach Kleingeld sucht. Beim Mann auf der Straße kommt es jedoch auch nicht gut an, wenn ein Ex-Präsident die Geldscheine lose in der Tasche trägt. So etwas erinnert ein wenig ans Rotlicht-Milieu.

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von
erstellt am 16.Jan.2014 | 11:50 Uhr

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