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Die nächste Bank kassiert ab

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Strafzinsen: Genossenschaftliche Zentralbank folgt der Commerzbank

Immer mehr Banken brummen Großkunden Strafzinsen auf. Nach der Commerzbank kündigte gestern auch die genossenschaftliche WGZ negative Zinsen für einzelne Profi-Anleger an. Noch verschonen die Institute Privatanleger. Ganz ausschließen, dass es auf lange Sicht auch Privatkunden treffen könnte, wollten Vertreter der Branche bei einem Kongress in Frankfurt aber nicht. Das Problem: Je länger die Phase der Mini-Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) andauert, desto größer wird der Druck auf die Banken, die sich ohnehin einen scharfen Wettbewerb liefern. Verbraucherschützer rechnen aber nicht mit Strafzinsen für kleinere Guthaben. „Verbraucher würden ihr Geld dann schnell bei einer anderen Bank aufs Sparkonto legen“, sagte Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Indirekt könnten die geplanten Strafzinsen für große Bankguthaben aber auch Verbraucher treffen. „Hinter einem Investmentfonds, der für seine Einlagen Negativzinsen zahlen muss, stehen auch Gelder von Privatanlegern“, erklärte sie. „Allerdings sollten solche Einlagen am Gesamtvermögen eines Fonds relativ gering sein.“ Ob Verbraucher betroffen sind, könnten sie mit ihren Produktanbieter klären. Von überstürzten Kündigungen rät Mohn ab.

Die Deutsche Bank sieht noch keinen allgemeinen Trend zu Strafzinsen. „Wir sind für Privatkunden nicht besorgt“, sagte Finanzchef Stefan Krause in Frankfurt. „Ich glaube schon wegen des psychologischen Moments nicht, dass es Negativzinsen für Sparer geben wird.“ Es gehe mehr um Guthaben von Großkunden. Die Frage sei, wie lange die Banken die Rechnung noch zahlen könnten, da sie selbst für kurzfristige Einlagen bei der EZB drauflegen müssen, erklärte Krause. Die Notenbank kassiert von Geschäftsbanken 0,2 Prozent Zinsen, wenn diese über Nacht Geld bei ihr bunkern. Das soll die Institute zu mehr Krediten zwingen.

Diese Gebühr geben erste Häuser weiter. Als erste Großbank hatte in dieser Woche die Commerzbank angekündigt, sie behalte sich bei einzelnen Großkunden die Berechnung einer „Guthabengebühr“ vor. Ähnlich verfährt die WGZ – die Zentralbank der Volksbanken und Raiffeisenbanken im Rheinland und in Westfalen.

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Privatbankenverbandes BdB, verteidigte die Schritte einzelner Häuser: „Das ist kein Dammbruch, das ist normales ökonomisches Verhalten.“ Es sei keine Überraschung, dass die Negativ-Zinsen der EZB bei großen Beträgen durchgereicht würden.

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erstellt am 21.Nov.2014 | 15:06 Uhr

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