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Katar-Konflikt : Die Isolation Katars: Wirtschaft unter Bedrängnis

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Die Fluggesellschaft Qatar Airways muss Flugverbindungen kappen. Auch der Deutsche Export in den kleinen Staat könnte behindert werden.

shz.de von
erstellt am 06.Jun.2017 | 17:05 Uhr

Doha/Frankfurt | Der Konflikt zwischen Katar und seinen arabischen Nachbarstaaten wirkt sich auf die inländische Wirtschaft aus, kann aber auch deutsche Nachbarstaaten treffen. (Worum es dabei geht, lesen Sie hier.) „Es ist noch unklar, wie es weitergeht - durch die Einstellung von Luft- und Seeverbindungen nach Katar wird es aber auf alle Fälle Einschränkungen geben“, sagte Felix Neugart, Geschäftsführer der Deutsch-Emiratischen Handelskammer, am Dienstag in Dubai. Die Exporte in den Wüstenstaat könnten darunter leiden. 2016 hatten deutsche Firmen den Angaben zufolge Waren im Wert von gut 2,5 Milliarden Euro nach Katar exportiert. Damit steht das Land laut Statistischem Bundesamt auf Platz 52 der Handelspartner der Bundesrepublik.

Mehrere Staaten am Persischen Golf isolieren Katar. Sie schließen Grenzen und Lufträume, fordern Diplomaten zur Ausreise auf. Katar wird vorgeworfen, den Terrorismus zu unterstützen. Aber auch der Iran ist Thema des Konflikts.

Die Ausfuhren deutscher Firmen nach Katar haben zuletzt deutlich angezogen. 2011 lag das Exportvolumen noch bei einer Milliarde Euro. Dank des damals hohen Öl- und Gaspreises nahm Katar viel Geld ein. Wegen der Fußball-WM 2022 in dem Golf-Anrainer gibt es zudem einen Investitionsboom: 2017 soll Katar in seinem Haushalt knapp 25 Milliarden Dollar (22,2 Mrd Euro) veranschlagt haben, um Stadien, Straßen, eine U-Bahn und andere Infrastruktur zu bauen. Deutsche Firmen profitieren etwa mit dem Verkauf von Baumaschinen und Autos.

Neugart wies auf die enge Verflechtung der Handelsströme im arabischen Raum hin. So gehe ein Teil der deutschen Ausfuhren zunächst über Dubai als Umschlagplatz und dann weiter nach Katar. Noch unklar sei, ob die Waren künftig weitergeschickt werden dürfen.

Fluggesellschaft Qatar Airways in Bedrängnis

In Katar selbst gerät unter anderem die Fluggesellschaft Qatar Airways in Bedrängnis. Sie muss Verbindungen kappen und arabische Länder umfliegen. Sie können die Region nach Europa nur über den Iran und die Türkei verlassen. Westliche Airlines wie Lufthansa oder British Airways fliegen Katars Hauptstadt Doha weiter an. Dabei ist Katar wegen seiner starken internationalen Verflechtungen auf einen funktionierenden Waren- und Personenverkehr angewiesen und hat dafür die Airline Qatar Airways gegründet.

Dass Qatar-Airways-Chef Akbar al Baker vorzeitig vom Branchengipfel des Airline-Verbandes IATA im mexikanischen Cancún abgereist ist, belegt den Ernst der Lage für die Fluggesellschaft. Im heimischen Doha muss al Baker das Krisenmanagement leiten. Die größten Probleme sind der Ausfall vieler Flüge zu den arabischen Nachbarn und längere Flugzeiten für die internationalen Verbindungen. Neben den kurzfristigen Problemen könnte vor allem der gestreute Terrorverdacht gegen den Heimatstaat Katar Kunden von Buchungen abhalten.

Krise hat kaum Auswirkungen auf den Ölmarkt

Die Eskalation der diplomatischen Beziehungen unter den Golfstaaten hat des Weiteren kaum Auswirkungen auf den Ölmarkt. Viele Experten gehen davon aus, dass der Streit wenig Einfluss auf die Förderung der beteiligten Länder wie Saudi-Arabien und Katar haben wird. Die Preise für Öl verharren weiter auf dem niedrigen Niveau, das sie Ende der vergangenen Woche nach dem Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen erreicht hatten.

Nach Einschätzung von Rohstoffexperten der Commerzbank besteht am Markt die Erwartung, dass die Ölproduktion in den USA künftig noch stärker steigen wird. Im frühen Handel am Dienstag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 49,25 US-Dollar und damit etwas weniger als am Montag. Vor der Ankündigung des US-Präsidenten Donald Trump am Donnerstagabend, aus dem Klimaschutzabkommen auszusteigen, hatte das Fass noch mehr als 51 Dollar gekostet.

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