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Wirtschaft

22. September 2017 | 22:53 Uhr

Die Inflation frisst Erspartes

vom

Experten schlagen Alarm: Die hoch verschuldeten Euro-Staaten bauen ihre Schulden auf Kosten der Sparer ab

shz.de von
erstellt am 16.Aug.2013 | 03:09 Uhr

Frankfurt/KIel | Die extrem niedrigen Zinsen in Europa vernichten das Vermögen der Deutschen und belasten die private Altersvorsorge. Das Problem: Derzeit sind die Zinsen für Anlagen in sichere, festverzinsliche Produkte wie Termingelder, Spareinlagen oder auch Bundesanleihen deutlich niedriger als die Inflationsrate. Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater warnt: "Damit ist die reale Verzinsung, das heißt Zinsen minus Inflation, negativ. Der Sparer tappt in die Real zinsfalle."

Nach Berechnungen der Postbank kosten die extrem niedrigen Zinsen in Europa Sparer hierzulande Milliarden. Demnach verlieren die Sparvermögen bei Banken in Deutschland allein in diesem Jahr real rund 14 Milliarden Euro an Wert. Sollte die Inflationsrate im kommenden Jahr auf 2,0 Prozent ansteigen, würde sich die reale Entwertung auf 21 Milliarden Euro erhöhen.

An sich ist die Inflation in Deutschland derzeit im gewünschten Rahmen. Im Juli kletterte sie auf 1,9 Prozent und damit auf den höchsten Wert des Jahres. Sie liegt aber weiter unter dem Zielwert der Europäischen Zentralbank, die eine Jahresteuerung knapp unter zwei Prozent anstrebt. Da die Notenbank im Kampf gegen die Krise im Euroraum jedoch den Leitzins auf das Rekordtief von 0,5 Prozent gedrückt hat, werfen Sparbücher weniger ab, als die Inflation real nimmt. "Der natürliche Feind des Sparers ist die Inflation", betont Postbank-Chefinvestmentstratege Marco Bargel.

EZB-Präsident Mario Draghi hat angekündigt, dass die Notenbank die Zinsen "für längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau" halten wird. Doch nicht nur die Bundesbank sieht negative Folgen bei anhaltend billigem Geld: "Mit dauerhaft niedrigen Zinsen geht die Gefahr einher, dass nach einer gewissen Zeit die Preise steigen." Deshalb fordert Bundesbankpräsident Jens Weidmann: "Die Leitzinsen sollten rechtzeitig wieder angehoben werden, wenn sich in der Zukunft zunehmender Preisdruck abzeichnet." Ökonom Kater spricht bereits von finanzieller Repression: Die hoch verschuldeten Euro-Staaten bauen ihre Schulden auf Kosten der Sparer ab. Dabei ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, wie Kater betont: "Die Wirkung der niedrigen Zinsen auf das bestehende Geldvermögen wird sich jedes Jahr etwas erhöhen, weil höhere Zinsbindungen auslaufen und durch niedriger verzinste Anlagen ersetzt werden." Das angelegte Geld verliere also stetig an Kaufkraft.

Der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken betont, dass Sparzinsen unterhalb der Inflationsrate auch die private Altersvorsorge in Deutschland gefährden. "Wir haben seit fünf Jahren sehr niedrige Zinsen und werden die auch noch einige Zeit behalten. Das wird bei vielen Bürgern eine große Lücke in die Altersvorsorge reißen", warnt auch der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, Michael Herte. Besonders betroffen seinen Bürger, die mit privaten Rentenversicherungen, Riester-Policen oder über die Betriebsrente fürs Alter vorsorgen. Denn weil die Versicherer ihre Beiträge, anders als geplant, auch nur noch zu niedrigen Zinsen anlegen können, schrumpfen die Erträge aus dieser Vorsorge zusammen. Berechnungen zufolge kann sich die Rente für einen 35 Jahre alten Kunden, der vor zehn Jahren eine Police abgeschlossen hat, gegenüber der ursprünglichen Prognose des Versicherers fast halbieren - die Inflationsrate ist dabei noch gar nicht eingerechnet.

Eigentlich müsse die private Vorsorge erhöht werden, um die Kürzungen der Leistungsansprüche aus dem staatlichen Sozialversicherungssystem zu kompensieren. Doch das Gegenteil ist der Fall, die Sparquote ist angesichts niedriger Zinsen auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2003 gesunken.

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