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New York International Auto Show : Die deutsche Offensive

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mercedes gibt auf der Auto-Show in New York den Ton an – und Volkswagen versucht ein Comeback.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2017 | 17:51 Uhr

New York | Gewöhnlich ist der Ton an der Immigration auf dem John-F.-Kennedy-International-Airport in New York rau. Die von US-Präsident Donald Trump verschärften Einreise-Bestimmungen verfehlen ihre Wirkung nicht. Besonders dann, wenn Journalisten ins Land wollen. Bohrende Fragen. Warum man einreise, wie lange. Und warum nur eine Nacht in New York?

Die Erklärung, als Gast die New York International Auto Show (NYIAS) besuchen zu wollen, wirkt Wunder. „German cars are the best“. Der noch vor Sekunden so ernst und mürrisch agierende Staatsbedienstete hat Veränderungen in seinen Wesenszügen vorgenommen. Er fragt nach neuen Modellen der deutschen Hersteller BMW, Mercedes und Porsche. Über Volkswagen aber verliert er kein Wort. Als sei dies aus dem Weißen Haus angewiesen. Nach einigen Erläuterungen zur neuen S-Klasse von Mercedes und zum E-Klassen-Cabrio, das in New York Premiere feiert, verläuft die Einreise-Prozedur ausgesprochen freundlich. Sogar auf die Fingerabdrücke wird verzichtet. Stempel, zack. Das war`s. Beim Thema Automobiles versteht man sich. Wie in Deutschland.

Im Gegensatz zu Volkswagen und Audi verzeichnet Mercedes in den USA steigende Verkäufe. Allein im ersten Quartal dieses Jahres wurden über 80.000 abgesetzt, das ist ein Plus von fast fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Volkswagen mag keine Zahlen herausgeben. Und doch gehen die Wolfsburger auf der New Yorker Messe, nach Detroit und Los Angeles die drittgrößte Autoshow in den Vereinigten Staaten, in die Offensive.

Der eigens für den amerikanischen Markt entwickelte Geländewagen mit dem vielversprechenden Namen „Atlas“ soll mit einer Sechs-Jahres-Garantie in den Markt gebracht werden. Wobei diese Garantie auch im Falle eines Weiterverkaufs gilt. Also dann auch für ein gebrauchtes Fahrzeug. Volkswagen gibt alles für ein Comeback in den USA.

In den Messehallen unweit des Hudson Rivers machen Spekulationen die Runde. Angeblich denken chinesische Investoren über einen Milliarden-Einstieg bei Volkswagen nach. Auf eine entsprechende Nachfrage auf dem VW-Messestand folgt eisiges Schweigen. Mit einem weitaus frostigeren Blick als von dem Beamten an der Immigration. Volkswagen ist lediglich mit einem deutschen Mitarbeiter aus der Wolfsburger Presseabteilung vertreten. Von Vorstandsmitgliedern und der Etage darunter keine Spur. Dies aus gutem Grund.

Fast alle Hersteller verzichten auf die Präsentation von Diesel-Modellen. Was auf den von VW in den USA inszenierten Abgasskandal zurückzuführen ist. Die ohnehin in Amerika nicht favorisierte Dieseltechnik verabschiedet sich in den Staaten vom Markt.

Tristesse bei Audi und VW, Optimismus bei Mercedes. Bei der Präsentation der neuen S-Klasse und dem E-Klasse-Cabrio applaudieren amerikanische Medienvertreter. Als wollten sie nachhaltig darauf hinweisen, dass deutsche Hersteller doch bitteschön nicht vom amerikanischen Markt verschwinden sollten. Dabei mag es sich um eine offene Botschaft an den US-Präsidenten handeln, der zu gern die eigene automobile Wirtschaft per Gesetz ankurbeln möchte.

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