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Schlechte Olivenernte : Deutschland droht die nächste Ölkrise

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Missernten in Südeuropa lassen Obst- und Gemüsepreise steigen. Die Preisexplosion für Olivenöl steht noch bevor.

Berlin | Eine neue Ölkrise rollt auf Deutschland zu. Damit sind nicht die steigenden Preise für Heizöl (plus 42,5 Prozent) und Kraftstoffe (plus 12,8 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr gemeint. Es geht um die Olive. Während bereits andere Gemüsesorten wie Salat, Zucchini, Brokkoli, Tomaten oder Paprika in Europa deutlich teurer geworden sind, steht der Preisanstieg bei der Frucht des Echten Ölbaums noch bevor. Der Grund sind Wetterkapriolen in Südeuropa. Das berichtet „Spiegel-Online“. Es war schlicht zu mild, es gab zu viel Regen und im Januar sogar Schnee – in manchen Orten zum ersten Mal seit 30 Jahren.

Ein Drittel des europäischen Obst- und Gemüseangebots kommt aus Spanien, im Winter sogar die Hälfte. Spielt das Wetter nicht mit, leiden Qualität und Menge der Ernte. In der Folge steigen die Preise.

Die Olive leidet besonders. Anfang 2016 war es zunächst zu kalt, sodass zur eigentlichen Blütezeit zu wenige Insekten zum Bestäuben unterwegs waren. Dann war der Sommer zu lange zu heiß. Die Pflanzen bekamen zu wenig Wasser. Olivenbauern in Spanien, Italien und Griechenland fahren zum dritten Mal hintereinander eine schlechte Ernte ein. Die Folge sind steigende Preise für Olivenöl in den Supermärkten. Schon 2015 stiegen die Preise in deutschen Supermärkten um acht Prozent, in Spanien (27 Prozent) und Italien (21 Prozent) sogar noch massiver. 2016 kam in Deutschland ein weiterer Preisanstieg um sieben Prozent dazu. Auch die No-Name Discounter-Öle sind von dem Anstieg betroffen.

Bis zu zehn Prozent könnte der Preisanstieg in diesem Jahr hoch sein, schätzt Conrad Bölicke, Geschäftsführer des Olivenölprojekts „Artefakt“. Wollen Supermärkte ihre Preise halten, müssten sie unter ihrem Einkaufspreis verkaufen, meint der Experte.

Laut Bericht hat dies Folgen: Auf Sizilien wurde Bölicke geraten, seine Transporte zum Hafen in Palermo mit einer bewaffneten Eskorte zu sichern. Durch die Brexit-Absichten Großbritanniens hat das britische Pfund an Wert verloren. Olivenöl ist auf der Insel somit so teuer wie seit zehn Jahren nicht mehr. Und der britische Starkoch Jamie Oliver hat angekündigt, aufgrund der Ölpreise sechs seiner italienischen Restaurants in dem Land zu schließen. Einzig die Landwirte am Mittelmeer können je nach Ausfall ihrer Ernte mit ein wenig mehr Geld rechnen.

Hintergrund: Verbraucherpreise in Deutschland

Die Verbraucherpreise in Deutschland haben weiter angezogen und kratzen erstmals seit dreieinhalb Jahren wieder an der Zwei-Prozent-Marke. Im Januar kletterte die jährliche Teuerungsrate auf 1,9 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Juli 2013. Das Statistische Bundesamt bestätigte am Dienstag vorläufige Zahlen.

Bei einer Inflation von knapp unter 2,0 Prozent spricht die Europäische Zentralbank (EZB) von einem stabilen Preisniveau. Von Dezember auf Januar sank das deutsche Preisniveau um 0,6 Prozent.

Hauptgrund für den zweiten Sprung binnen Jahresfrist in Folge: kräftig anziehende Energiepreise. Vor allem für Heizöl (plus 42,5 Prozent) und Kraftstoffe (plus 12,8 Prozent) mussten Verbraucher zum Jahresbeginn deutlich tiefer in die Tasche greifen als im Januar 2016. Insgesamt verteuerte sich Energie um 5,9 Prozent.

Lange Zeit hatte die Preisentwicklung bei Energie den Anstieg der Teuerung gedämpft. Seit Mitte 2014 war Rohöl vor allem infolge der weltweiten Überproduktion deutlich günstiger geworden. Ende 2016 drehte der Trend dann. Die Inflationsrate in Deutschland machte in der Folge schon im Dezember einen kräftigen Sprung auf 1,7 Prozent.

Die höheren Benzin- und Heizölpreise zehren an den Einkommen der Verbraucher und engen den Spielraum für andere Anschaffungen ein.

Volkswirte gehen jedoch von einem vorübergehenden Phänomen aus: Ein kräftiger Ölpreisanstieg in den nächsten Monaten gilt etwa wegen hoher Lagerbestände als unwahrscheinlich, damit dürfte der Preistreiber Energie wieder etwas an Durchschlagskraft verlieren. Für das Gesamtjahr rechnet die Bundesbank in Deutschland mit einer moderaten Teuerung von 1,4 Prozent. 2016 waren es 0,5 Prozent.

Deutlich teurer als vor Jahresfrist waren in diesem Januar auch Nahrungsmittel: Die Preise für diese Warengruppe zogen um 3,2 Prozent an. Das ist zum Beispiel bei Gemüse wie Gurken (plus 69,5 Prozent) und Salat (59,2 Prozent) aber im Winter üblich. (dpa)

 
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erstellt am 14.Feb.2017 | 11:48 Uhr

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