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Deutsche sparen immer weniger

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flucht in Immobilien geht weiter: Jeder Zweite setzt bei der Altersvorsorge auf die eigenen vier Wände

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2013 | 00:33 Uhr

So kann man sich täuschen. Vor einem Jahr meinte Georg Fahrenschon, der deutsche Immobilienboom habe seinen Höhepunkt bereits überschritten. Das hätten auch die Käufer erkannt. Jetzt meldet der Sparkassenpräsident überraschend: „Das Eigenheim gewinnt weiter an Beliebtheit.“ Denn weil
Dauerniedrigzinsen noch immer das Ersparte auf Konto oder Sparbuch auffressen und viele Aktien schon sehr teuer sind, gelten Häuser und Wohnungen für immer mehr Menschen als sichere Anlage. Doch die Warnungen werden lauter.

Wohnungen in besonders attraktiven Ballungsräumen kosteten inzwischen zu viel, warnte die Bundesbank vor ein paar Tagen. In Teilen von München, Hamburg oder Frankfurt seien die Preise um ein Fünftel zu hoch. Auch in anderen Städten und im Umland zahlten Käufer mittlerweile zu viel. Selbst ein Branchengutachten warnte jüngst vor spekulativen Übertreibungen – zumindest für die Toplagen weniger gefragter Stadtteile. Dennoch: Jeder Zweite hält nach der jetzt veröffentlichen Sparkassen-Umfrage vom Juli die eigenen vier Wände für die ideale Vermögensanlage und Altersabsicherung. Stärker als in den vergangenen Jahren führt das „Betongold“ die Beliebtheitsskala an. Zwar sind es laut Verband die etablierten Sparformen wie die Rentenversicherung (63 Prozent), Rücklagen auf dem Sparbuch (58 Prozent) oder die Lebensversicherung (55 Prozent) neben der betrieblichen Altersvorsorge (51 Prozent) für breite Bevölkerungsteile wesentliche Basis der Altersversorgung. Die Wertschätzung viele Anlageformen aber sinke. Anders bei den Immobilien – hier gab es zuletzt ein Plus von fünf Prozent.

„Man kann nicht im Allgemeinen sagen: Wir sehen Übertreibungstendenzen“, sagt Fahrenschon. In einzelnen Regionen seien zwar spekulative Tendenzen erkennbar, zu einer generellen Warnung vor dem Immobilienkauf sieht er aber keinen Anlass. Mietfrei im Alter – dieser Vorteil einer eigenen Wohnung sei nicht zu unterschätzen. „Es entscheidet die Lage, und die sehen wir uns immer genau an.“

Insgesamt sind die Deutschen der repräsentativen Umfrage zufolge beim Blick in den Geldbeutel zuversichtlich wie lange nicht mehr. 57 Prozent der Befragten bezeichneten ihre finanzielle Situation als gut oder sehr gut. Jeder vierte Befragte erwartet zudem, dass es noch besser wird. „Das ist ein extrem hohes Niveau“, sagte Fahrenschon. „Der Anteil der Skeptiker hat sich in fünf Jahren halbiert.“ Nur 15 Prozent der Befragten glauben, dass sich ihre persönliche Finanzlage in den nächsten zwei Jahren verschlechtert.

Besorgnis erregend ist nach Einschätzung der Sparkassen allerdings, dass die Bürger einen immer geringeren Anteil ihres Geldes sparen. „Von 100 Euro Nettoeinkommen werden nur noch 10,30 Euro zurückgelegt“, berichtete Fahrenschon. „Noch vor fünf Jahren waren es 11,50 Euro.“

Um ausreichend für das Alter vorzusorgen, sei eine Sparquote von mindestens zehn Prozent nötig. Lebensrisiken seien damit noch nicht abgesichert. Im EU-Vergleich sind die Deutschen aber vergleichsweise eifrige Sparer – 2011 nur übertroffen von der Schweiz und Luxemburg, wie die Sparkassen im März mitgeteilt hatten.

Fahrenschon forderte, das Sparen staatlich stärker zu fördern. So müssten etwa die Einkommensgrenzen deutlich erhöht werden, bis zu denen Bausparer Prämien und Zulagen bekommen. Die Riester-Rente müsse allen offen stehen. Spielräume dafür gebe es, weil der Bund für seine Kredite sehr niedrige Zinsen zahle.

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