Maritime Wirtschaft : Deutsche Seeleute werden rar

Seeleute mit deutschem Pass auf Schiffen unter deutscher Flagge werden immer seltener.

Seeleute mit deutschem Pass auf Schiffen unter deutscher Flagge werden immer seltener.

Nur noch 5200 Beschäftigte auf deutschen Schiffen – das maritime Know-how im Land schwindet.

Unser Hauptstadtkorrespondent Hening Baethge von
30. Mai 2018, 09:42 Uhr

Vor zwei Jahren haben die Bundesregierung und die deutschen Reeder sich gegenseitig versprochen, „seemännisches Know-how für die maritime Wirtschaft in Deutschland zu sichern“ – doch dieses Ziel droht zu scheitern: Die Zahl deutscher Seeleute geht immer noch weiter zurück. Arbeiteten vor zwei Jahren noch 5400 deutsche Beschäftigte auf Schiffen unter deutscher Flagge und vor sieben Jahren sogar 7000, sind es inzwischen nur noch 5200. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag hervor.

Der Abwärtstrend geht einher mit der Schifffahrtskrise und dem Trend zum Ausflaggen deutscher Schiffe. Unter ausländischen Billigflaggen sind die Bedingungen für deutsche Seeleute so unattraktiv, dass sie dort in der Regel nicht arbeiten. Zahlen über deutsches Bordpersonal auf ausländischen Schiffen konnte die Bundesregierung nicht nennen.


Auch die Ausbildung der Experten lahmt

Auch die Ausbildung von Seefahrtsexperten an den Hoch- und Seefahrtsschulen – unter anderem in Flensburg und Travemünde – lahmt. So sank die Zahl der Absolventen bei den Schiffsbetriebstechnikern letztes Jahr von 164 auf 148, das Rekordtief dieses Jahrzehnts. Zwar stieg die Zahl der Nautiker dafür wieder von 227 auf 295, erreichte so aber nur das Niveau von 2015 und lag unter dem der Jahre zuvor.

Subventionen für Reeder sollen auf den Prüfstand

Die Grünen-Schifffahrtsexpertin Claudia Müller forderte wegen der enttäuschenden Zahlen eine Überprüfung der staatlichen Beihilfen für die Reeder. „Die heutigen Subventionen sind ein Fass ohne Boden“, sagte sie. Es sei „fraglich, ob sie geeignet sind, die Branche zukunftsfähig zu machen“. Vielmehr müsse der neue maritime Koordinator der Bundesregierung, der Lauenburger CDU-Politiker Norbert Brackmann, mit allen Beteiligten „Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung der Schifffahrt am Standort Deutschland und wettbewerbsfähige Bedingungen für Seeleute“ erarbeiten.

Brackmann selbst hatte nach Amtsantritt vor sechs Wochen ebenfalls die Reeder ermahnt. „Sie müssen die geweckten Hoffnungen, dass wieder mehr Schiffe unter deutscher Flagge fahren, auch erfüllen“, hatte er erklärt.

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