Wegen Betriebsversammlungen : Deutsche Post in SH: Paket-Stau zu Nikolaus

Ausgerechnet in der Weihnachtszeit demonstrieren die Post-Beschäftigten ihre logistische Macht - mit einer Betriebsversammlung am 5. Dezember. Die Gewerkschaft beklagt zu viele befristete Jobs.

Margret Kiosz von
03. Dezember 2014, 09:30 Uhr

Die Socken für die Enkel sind gestrickt, die Nüsse gekauft – wer jetzt das Nikolauspaket zur Post bringt, kann eigentlich davon ausgehen, dass es pünktlich am 6. Dezember ankommt. Doch die Beschäftigten in 31 der bundesweit 33 Paketzentren wollen ausgerechnet am 5. Dezember eine Betriebsversammlung abhalten – alle gleichzeitig. An diesem Nachmittag werden auch im schleswig-holsteinischen Paketzentrum in Neumünster (100 Beschäftigte) und in Hamburg-Allermöhe keine Pakete sortiert und Laster für die Verteilstationen beladen. Womöglich kommen die Nikolauspräsente also nicht pünktlich an. „Wir bedauern es sehr, wenn es Einschränkungen gibt und Pakete zu spät kommen“, erklärte am Dienstag Postsprecher Jens-Uwe Hogardt in Hamburg.

Dass es ausgerechnet in der Weihnachtszeit zu einem Paketstau kommt, nehmen die 177.000 Beschäftigten im Paket- und Briefdienst der Post billigend in Kauf. Sie wollen schon jetzt im Vorfeld der für das kommende Frühjahr terminierten Tarifverhandlungen dem Postvorstand Paroli bieten und zeigen, wo der Hammer hängt. Postchef Frank Appel will nämlich die Arbeitskosten senken, um mit den Konkurrenten von Hermes, DPD oder auch UPS mithalten zu können.

Noch hat die Post Oberwasser. Im boomenden Paketmarkt – beflügelt durch den Internetversand – liegt der Marktanteil der Post immer noch bei 44 Prozent. Doch den gilt es laut Appel jetzt zu verteidigen. Er will – so fürchtet die Gewerkschaft Verdi – Einstiegslöhne verringern und Arbeitszeitregelungen auf den Prüfstand stellen. Derzeit liegt der Einstiegslohn beim gelben Riesen bei 14 Euro, der Durchschnittslohn inklusive Zulagen bei fast 18 Euro während die Konkurrenz nur Mindestlohn zahlt.

Was die Gewerkschaft besonders ärgert, sind die vielen befristeten Jobs. Bundesweit beschäftigt die Post rund 13.000 Arbeitnehmer mit Zeitverträgen. „In Norddeutschland gibt es aktuell 2500 befristet Beschäftigte“, teilt Verdi-Nord mit. „Eine derart hohe Befristungsquote ist für einen DAX-Konzern weder betriebswirtschaftlich noch moralisch vertretbar“, sagte Landesfachbereichsleiter Lars-Uwe Rieck gestern unserer Zeitung und verwies auf „den Milliarden-Gewinn der Post“. Dass bei der Konkurrenz die Verhältnisse noch schlechter sind und schlechtbezahlte Subunternehmen das Ausfahren der Pakete übernehmen, sei kein Maßstab. „Dann müssten wir bei uns auch Kinderarbeit zulassen, weil die Konkurrenz im Ausland damit die Preise drückt“. Natürlich sei es bedauerlich, wenn Kinder ihr Nikolauspaket nicht rechtzeitig bekommen, räumt Rieck ein, „doch die 13.000 Familien mit befristeten Arbeitsverträgen haben auch keine frohen Weihnachten“.

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