BIP 2014 : Deutsche Kauflaune: Wirtschaft um 1,5 Prozent gewachsen

Auch n diesem Jahr wird in der größten Volkswirtschaft Europas spürbares Wachstum erwartet. Grund: niedrige Ölpreise.

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15. Januar 2015, 12:53 Uhr

Berlin | Die Verbraucher haben 2014 mit ihrer Kauflust der deutschen Wirtschaft ein deutliches Plus beschert. Unter dem Strich legte die größte Volkswirtschaft Europas im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent zu - und damit mehr als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Dies gab das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Berlin bekannt.

Damit trotzt die Wirtschaft den weltweiten Krisen. Vor allem der hohe Beschäftiggungsstand ragt unter den europäischen Volkswirtschaften heraus. Monat für Monat wurden 2014 Rekordzahlen bei den Beschäftigten gemeldet, in anderen Ländern wie Spanien erreicht insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit erschreckende Ausmaße. Ein Grund neben den Effekten der Hartz-Gesetze ist die Politik der billigen Geldes der Europäischen Zentralbank. Die Null-Zinsen, für die schwächelnden Länder gedacht, stützt die Investitionsbereitschaft in Deutschland. Gäbe es keine europäische Gemeinschaftswährung, sondern noch die D-Mark mit der Bundesbank als maßgebliche Institution, läge das Zinsniveau in Deutschland deutlich höher.

Im vergangenen Jahr ging mit 0,8 Prozentpunkten mehr als die Hälfte des Wachstums auf das Konto des privaten Konsums. Das ist eine direkte Folge des hohen Beschäftigungsstandes und der gefühlten arbeitsplatzsicherheit. Anders als noch im Vorjahr trugen aber auch die Investitionen und der Außenhandel zum Wirtschaftswachstum bei, berichten die Statistiker.

Nach einem fulminanten Start in das Jahr war die Wirtschaft im Sommer in eine Schwächephase geraten, hat aber zum Jahresende die Kurve gekriegt. In einer ersten Schätzung gehen die Experten in Wiesbaden davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im Schlussvierteljahr verglichen mit dem Vorquartal um rund ein Viertel Prozent zulegte.

Der Präsident der Statistikbehörde, Roderich Egeler, attestierte der größten Volkswirtschaft Europas eine solide Verfassung. „Offensichtlich konnte sich die deutsche Wirtschaft in einem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld behaupten und dabei vor allem von einer starken Binnennachfrage profitieren.“

Auch für 2015 gehen die Statistiker von einem weiteren spürbaren Wachstum aus, wollen dies allerdings so früh im Jahr noch nicht beziffern. Vor allem die extrem niedrigen Ölpreise seien ein „Konjunkturprogramm“, hieß es. 2013 hatte es ein Mini-Plus von 0,1 Prozent gegeben. 2012 war mit 0,4 Prozent etwas besser ausgefallen. Ökonomen hatten für 2014 zuletzt bis zu 1,5 Prozent Wachstum erwartet. Zu Jahresbeginn waren die Prognosen noch etwas optimistischer. Die Bundesregierung und die Wirtschaftsweisen waren mit 1,2 Prozent etwas verhaltener in ihrer Vorhersage.

Der deutsche Staat erwirtschaftete nach Berechnungen der Statistiker 2014 zudem erneut einen Überschuss. Er betrug 0,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), nach plus 0,1 Prozent in den beiden Vorjahren.

Die europäischen Verträge erlauben eine maximale Obergrenze beim Staatsdefizit von 3,0 Prozent. Diese Marke war in Deutschland zuletzt 2010 mit einem Defizit aller öffentlichen Kassen von 4,1 Prozent des BIP verfehlt worden.

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