Jahreszahlen 2014 : Deutsche Bank überrascht mit Überschuss

Der erneute Absturz in die roten Zahlen bleibt der Deutschen Bank erspart. Der Konzern legt weniger frisches Geld für drohende juristische Niederlagen zurück und profitiert von einem florierenden Kapitalmarktgeschäft.

shz.de von
29. Januar 2015, 10:30 Uhr

Frankfurt/Main | Die Deutsche Bank hat die Märkte mit unerwartet guten Ergebnissen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2014 überrascht. Statt erneut roter Zahlen zum Jahresende wies der deutsche Branchenprimus für das Schlussquartal unter dem Strich 438 Millionen Euro Überschuss aus. Im Gesamtjahr wurde der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr auf fast 1,7 Milliarden Euro mehr als verdoppelt, wie der Dax-Konzern am Donnerstag in Frankfurt mitteilte.

„Viele Ergebnisse des vergangenen Jahres und des vierten Quartals sind ermutigend“, erklärte das Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen in einer Mitteilung. „Dennoch arbeiten wir hart an unserer Kostenbasis, und daran, unsere Kapitalstärke aufrecht zu erhalten und die Rendite für unsere Aktionäre zu steigern.“ Für 2014 will die Bank ihren Anteilseignern erneut 75 Cent Dividende je Aktie zahlen.

„Im Jahre 2014 hat sich die Deutsche Bank zu einer stärkeren, sichereren und ausgewogeneren Bank entwickelt“, bekräftigte Fitschen in einer Videobotschaft. Den künftigen Kurs will das Management ausführlich im zweiten Quartal erläutern. Die gesamte Strategie steht auf dem Prüfstand - ohne Tabus. Spekuliert wird etwa über die Zukunft der Postbank. Schärfere Auflagen der Regulierer machen es für den Konzern schwieriger, als Universalbank sämtliche Dienstleistungen vom Privatkunden- bis zum Kapitalmarktgeschäft anzubieten. Viele Wettbewerber haben sich von dem Modell längst verabschiedet - und arbeiten deutlich profitabler.

Das Privatkundengeschäft entwickelt sich zu einem Problembereich für die Deutsche Bank. Im vierten Quartal 2014 brach der Vorsteuergewinn der Sparte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um drei Viertel auf 55 Millionen Euro ein. Dabei belastete vor allem ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) die Bilanz, wonach Kunden vor Jahren gezahlte Bearbeitungsgebühren für Kreditverträge zurückfordern können. Allein dafür stellte die Bank 330 Millionen Euro zurück.

Zudem rutschte die Tochter Postbank in die roten Zahlen. Im Gesamtjahr verdiente die Sparte insgesamt noch 1,3 Milliarden Euro. Das waren 15 Prozent weniger als 2013. Dennoch bekennt sich die Deutsche Bank angesichts der Spekulationen um die künftige Rolle der Postbank im Konzern zu ihrer Tochter. „Was die Integration der Postbank angeht, gibt es keinen Grund von den Initiativen abzuweichen, die wir eingeschlagen haben. Es gibt keine Entscheidung in unserem Strategieprozess“, sagte Co-Chef Jürgen Fitschen am Donnerstag in einer Telefonkonferenz.

Seit Wochen halten sich Spekulationen über die Zukunft der erst vor wenigen Jahren übernommenen Postbank - von einem Verkauf bis zur Möglichkeit, dass die Deutsche Bank ein größeres Aktienpaket des Bonner Instituts an die Börse bringt. Im vierten Quartal 2014 rutschte die Postbank in die roten Zahlen. Finanzvorstand Stefan Krause bekräftigte: „Ich kann nur sagen, dass die Integration natürlich im Moment weiterläuft und es dazu keine andere Entscheidung gibt.“ Im zweiten Quartal will der Deutsche-Bank-Vorstand über seinen künftigen Kurs informieren.

Für Auftrieb in der Bilanz sorgte zum Jahresende, dass die Deutsche Bank deutlich weniger Belastungen für Rechtsrisiken verbuchte als erwartet. Zudem lief das Investmentbanking überraschend gut. Für juristische Streitigkeiten stellte das Institut weitere gut 200 Millionen Euro zurück. Damit summieren sich die Rücklagen für Rechtsrisiken nun auf 3,2 Milliarden Euro. Weitere Belastungen auf diesem Feld könnten hinzukommen, diese beziffert die Bank etwas höher als zum Ende des dritten Quartals mit 1,9 Milliarden Euro. Co-Chef Jain sagte in einer Telefonkonferenz für Analysten, die Bank erwarte auch 2015 hohe Belastungen durch Rechtsrisiken.

Um beim Abbau der Altlasten schneller voranzukommen, richtete die Deutsche Bank inzwischen sogar ein neues Vorstandsressort ein: Seit Jahresbeginn kümmert sich Christian Sewing als Rechtsvorstand um diese Themen. Das Institut wartet etwa im Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze noch auf eine Einigung mit britischen und amerikanischen Behörden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen