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Fat Finger „royally fucked up“ : Deutsche-Bank-Tollpatsch macht 6-Milliarden-Fehler

vom
Aus der Onlineredaktion

Lachnummer: Ein kleiner Angestellter im Devisenhandel verwechselt brutto mit netto. Die Bank wird zum Gespött der Branche.

von
erstellt am 20.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Die Deutsche Bank macht seit Monaten einen chaotischen Eindruck: Struktur und  Führungsspitze von Deutschlands größtem Geldhaus sind im Umbruch, die Kultur der Bank auch. In den USA ist die „Deutsche“ in diesem Jahr durch den sogenannten Stresstest der Notenbank Federal Reserve gefallen. Ein Grund: schlechtes Risikomanagement. Außerdem hat sie Prozesse mit Milliardenrisiken an den Hacken. Und nun das:

Ein Londoner Investmentbanker der Deutschen Bank hat im Sommer fehlerhafterweise 6 Mrd. Dollar an einen Hedge-Fonds überwiesen. Das berichtet die „Financial Times“ (hier der Originaltext der „FT“, nur für Abonnenten zugänglich). Aktionen dieser Art werden im anglophilen Bankerjargon als „fat finger“ bezeichnet. Die wörtliche Übersetzung ruht daher, dass Menschen mit zu dicken Fingern allzu leicht auf ihren Tastaturen die falschen Tasten treffen. Die nicht wörtliche Übersetzung ins Deutsche, die wohl am besten trifft, lautet: Tollpatsch.

Der neue Co-Chef der Deutschen Bank, John Cryan, kämpft gerade mit einem Umbauprogramm gegen die schlechten Zahlen und das schlechte Image der Bank. Im gerade abgelaufenen Quartal wird es einen Rekordverlust in Milliardenhöhe geben. Cryans Vorgänger Anshu Jain und Josef Ackermann hatten milliardenschwere Prozessrisken hinterlassen. Gleichzeitig tobte jahrelang ein Kulturkampf zwischen Investmentbankern und traditionellen Bankiers. Ein Ergebnis: Die Postbank wurde zunächst an die Börse gebracht und dann selbst gekauft. Nun soll sie unter hohen Verlusten wieder abgestoßen werden. International ist es üblich, dass Manager schmerzhafte Einschnitte in die Anfangsphase ihrer Amtszeit legen.

Das war passiert: Ein Angestellter im Devisenhandel ohne große Berufserfahrung (FT: „a junior member of the bank's forex sales team“) führte versehentlich statt einer Nettoposition eine Bruttoposition aus. Das hört sich technisch an, ist im Grunde aber einfach: Die Bank kauft und verkauft Devisen im Auftrag eines Kunden. Es wird nicht jede Position einzeln abgerechnet, sondern am Ende des Tages die Differenz aller Käufe und Verkäufe. In diesem Fall hat der Devisenhändler der Bank eine einzelne Position von 6 Milliarden Dollar einzeln abgerechnet. Die „FT“ beruft sich dabei auf zwei Quellen. Eine davon sagte, der Händler habe „zu viele Nullen“ abgerechnet.

Pikantes Detail: Der Vorfall passierte, als der Chef des Händlers im Urlaub war. Laut FT ist dennoch unklar, warum hier das Vier-Augen-Prinzip der Bank nicht eingehalten wurde. Die Deutsche Bank wollte den Vorgang nicht kommentieren. Sie meldete ihn den Notenbanken in den USA und Europa und der britischen Finanzaufsicht. Ein unmittelbarer Schaden ist offenbar nicht entstanden: Der Hedge-Fonds überwies das Geld am folgenden Tag wieder zurück.

Der Vorgang ist sehr peinlich für die Bank, die Veröffentlichung in der „Financial Times“ dürfte dafür sorgen, dass nahezu jeder weltweit, der mit Investmentbanking zu tun hat, davon erfährt. Der in der Szene berühmte Blog „Zero Hedge“ weist per Twitter auf die Geschichte hin und macht sich im Artikel dazu darüber lustig: „Der Grund für den Fat Finger: Irgendein Praktikant kannte den Unterschied zwischen brutto und netto nicht.“ Weiter schreibt „Zero Hedge“: Zu viele Nullen sei, wie jeder wisse, der Fachbegriff dafür, dass man „königlich angeschissen sei" (im Original: „you royally fucked up“).

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